Tapas - wie Du mit Yoga Deine Ziele erreichst
von Nancy Krüger in Philosophie

Oder man könnte auch sagen: Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, Weitergehen. Es gibt Menschen, die nur von Luftschlössern träumen und es gibt Menschen, die sie aus dem Himmel auf den Boden des Lebens holen.

Wenn Träume Wirklichkeit werden sollen, dann müssen wir unbändig für sie „brennen“. Tapas ist das innere Feuer, was Yogis befähigt sich in allen Facetten zu verwirklichen.

Was ist Tapas im Yoga?

Tapas ist die Leidenschaft, der Lebensdrang, das Durchhaltevermögen und die Selbst-Disziplin. In der Yoga-Philosophie gilt Tapas als eine Geistesverfassung, die es uns ermöglicht schwere Augenblicke im Leben zu meistern und nach Rückschlägen wieder aufzustehen. Eine gesunde Portion davon gibt uns nicht nur Charakter, sie verleiht auch Charisma, führt zum Erfolg und unterscheidet damit gewöhnliche von ungewöhnlichen Menschen. Yogis brauchen Tapas vor allem dann, wenn die Arbeit an sich selbst mühsam wird oder die Yogamatte in der Ecke verstaubt.

Wenn unser Tapas gerade verpulvert ist, fehlt dem Leben das Feuerwerk. Unsere Leidenschaften köcheln dann lauwarm vor sich hin. Der Weg des geringsten Widerstandes säumt unser Dasein. Auf dem finden nur leider nie die wirklich guten Partys statt. Das hat auch schon Silvester Stallone geahnt, als er jahrelang vergeblich versucht hatte das „Rocky“-Drehbuch, mit sich selbst in der Hauptrolle, an den Mann zu bringen. Statt sich durch das Feedback über den flachen Plot und seine ungeeignete Optik entmutigen zu lassen, hat er weitergekämpft. Auf die Frage warum, antwortet er heute, er wäre sonst innerlich tot gewesen. B.K.S. Iyengar kann das nur bestätigen, denn er ist überzeugt:

„Ein Leben ohne Tapas ist wie ein Herz ohne Liebe“.

Sich Tapas in der Yogapraxis zu widmen ist deswegen entscheidend, weil das, was wir im Leben erreichen, nie so entscheidend ist wie die Mühe, die wir dafür aufgewendet haben. Die Mühe verleiht einem Erfolg erst den Genuss. Ohne unsere Bemühungen fühlen wir erst gar keinen Erfolg. Die beiden brauchen sich gegenseitig wie Rocky und seine Flamme Adriaaaaaaaaaan!

Die drei Arten von Tapas

Die Bhagavad Gita kennt drei verschiedene Arten von Tapas, die auf uns selbst und auf unsere Mitmenschen Anwendung finden sollen:

  1. Disziplin des Körpers
  2. Disziplin der Sprache
  3. Disziplin des Geistes

Disziplin des Körpers

Bedeutet physische Gewaltlosigkeit und Reinheit des Körpers. In der Yoga-Praxis können Asanas genauso wohltuend und reinigend wie auch unangenehm und verletzend sein. Der Körper gibt uns permanent Rückmeldung darüber, was ihm gut tut und was nicht. Die Kunst von Tapas auf der körperlichen Eben besteht also darin, sich in Selbst-Disziplin zu üben ohne auf der einen Seite in Selbst-Kasteiung oder auf der anderen in Trägheit abzurutschen.

Denn wer von uns hat sich beim Yoga nicht schon einmal (zumindest leicht) verletzt? Meist geschieht das, wenn wir entweder zu viel von unserem Körper verlangen oder aber es uns an der nötigen Körperspannung fehlt. Im einen Fall ist Tapas zu stark und es verbrennt die positiven Effekte von Yoga und im anderen zu schwach.

Gesundes Tapas hingegen befähigt uns die nötige innere Hitze aufzubringen, um geistige Barrieren zu überwinden und unbekannte körperliche Gebiete zu erforschen.

Disziplin der Sprache

Sie beinhaltet den freundlichen und ehrlichen Umgang mit uns selbst und anderen.

“Speak the truth in such a way that it is pleasing to others. Do not speak the truth in a manner injurious to others. Never speak untruth, though it may be pleasant. This is the eternal path of morality and dharma.” (Manu Smṛit)

„Sprich die Wahrheit so, dass sie angenehm ist für andere. Sprich nicht über die Wahrheit in einer Weise, die andere verletzt. Sage niemals die Unwahrheit, auch wenn sie angenehm erscheinen mag. Das ist der zeitlose Pfad von Moral und Dharma“ (Manu Smṛit)

Das Feuer von Tapas verbrennt uns in dieser Facette besonders gern während der Kommunikation mit uns selbst. Weder mit Familie, Kunden oder Freunden würden wir in der Art reden, wie wir es oft mit uns machen. Die meisten von uns haben überzogen selbstkritische Glaubenssätze, die uns einschränken. Im Yoga nennt man sie „Malas“ (Verunreinigungen). Häufig treffen wir auf die folgenden Malas: „ich bin nicht perfekt“, „ich bin nicht schön“, „keiner interessiert sich für mich“, „niemand liebt mich“, „das kann ich nicht“, „ich werde es nie schaffen“.

Malas machen uns nicht gut genug für unsere eigenen Ansprüche. Deshalb sollten wir im Rahmen von Tapas der Sprache zunächst an einer positiven Sprache mit uns selbst arbeiten. Wir beobachten die Sprache in uns selbst, und beseitigen das Gift darin, welches Selbstvertrauen nimmt. Das Motto von Tapas lautet in diesem Zusammenhang: Wer Frieden will muss freundlich sein – auch und gerade zu sich selbst!

Disziplin des Geistes

Sie verschafft uns Gelassenheit, Milde und Ruhe. Geistige Reinigung erfahren Yogis vor allem durch das Abgewöhnen von unnützen mentalen Gewohnheiten. Permanente Erwartungshaltungen, Identifikationen mit Rollenbildern, Trägheit, und Pessimismus sind Beispiele dafür.

Das Wort abgewöhnen impliziert bereits, dass es sich dabei häufig um einen Prozess handelt. Was sich über Jahre hinweg in unserem Geist etabliert hat, benötigt meist Zeit, um beim Abgewöhnen keine neuen Widerstände zu wecken. Selbst wenn uns negative geistige Muster bewusst sind, haben sie einen Anker in uns, den wir nur mit vielen Bemühungen, lösen können. Die Arbeit an unserem Tapas sollte diesen Aspekt berücksichtigen.

„Veränderung bedeutet Widerstand, Reibung. Reibung erzeugt Hitze. Und Tapas heißt ganz wörtlich: Hitze, erhitzen. Hitze transformiert. (…) Hitze kann auch wehtun, und manchmal fallen uns die körperlichen und geistigen Bemühungen auf dem Yoga-Weg schwer.“ (Ralph Skuban)

Beim Tapas des Geistes sollte man demnach auf innere Konflikte vorbereitet sein und sich ihnen stellen.

Zünde Dein Feuer an

Tapas ist zusammenfassend also die tägliche Übungspraxis des sanften aber stetigen Bemühens um Reinheit und Stärke auf den Ebenen Körper, Sprache und Geist. Unsere Leidenschaft, die uns Hürden überwinden lässt, schenkt uns das befreiende Gefühl über uns selbst hinauswachsen zu können. Es lohnt sich diese Flamme am Lodern zu halten, denn mittels Durchhaltevermögen und Ausdauer, können wir verwirklichen, was wir uns wünschen und den Menschen in uns sehen, der wir wirklich sind. Tapas verleiht uns nicht nur Charakter und Rückgrat sondern sorgt auch dafür, dass wir uns lebendig fühlen und das Leben in vollen Zügen genießen können.  

Alles Liebe,

Nancy

 

Nancy gibt auch Lehrer-Ausbildungen. Wenn Du Dich dafür interessierst, schau doch mal auf ihrer Website vorbei: Lehrer-Ausbildung Wien

 

 

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Nancy Krüger

Nancy liebt Pünktchen, Zitronen, Tanzen und das Leben. Sie ist Autorin für praktische Yoga Philosophie, medizinisch ausgebildete Hatha Vinyasa Yogalehrerin und leitet eine renommierte Yoga Ausbildungsschule mit dem Schwerpunkt Persönlichkeitsentwicklung in Wien.

Mehr über Nancy findest du auf ihrer Website: https://www.happydots.yoga/

Kommentare

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Marite

Habe mit grosse Interesse gelesen.

Verfasst am 04.09.2017 um 21:55

Jana

Toller, interessanter Bericht, danke dafür!!
Den Link zur Lehrer Ausbildung Wien kann man nicht öffnen. Bei mir öffnet sich dann eine Seite, die mir sagt, dass die Seite, die ich öffnen möchte, nicht sicher sei, da ein Zertifikat abgelaufen sei.

Verfasst am 02.10.2019 um 19:07

Jasmin_YogaMeHome

Liebe Jana,
vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Link korrigiert, nun sollte es klappen. Hier findest Du alle Informationen zu Nancys Ausbildungen: https://www.happydots.yoga

Verfasst am 03.10.2019 um 16:55

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