Guru oder Yogalehrer - wie finde ich den richtigen?
von Susanne Nadler in Philosophie

Die Welt ist voller Lehrer*innen, Coaches und auch Gurus - in der analogen, wie auch in der digitalen Welt. Wie aber findet man einen guten Lehrer*in und welche Qualitäten sollte dieser Mensch mitbringen?

Wenn du diesen Artikel liest, gehe ich davon aus, dass du dich persönlich weiterentwickeln willst. Sei es auf der körperlichen Ebene, oder auf der geistigen, spirituellen Ebene im Yoga.

Vielleicht suchst du auch nur ein Vorbild, das dir weiterhilft, dein Leben gut auf die Reihe zu bekommen und dir hilft, neue Werte zu erlangen.

Wir wollen an dieser Stelle einige wichtigen Erkenntnisse mit dir teilen, wie dir das gut gelingen kann. Wahrer Wachstum bedeutet wahrhaftig zu sein. Natürlich sucht ein jeder hier etwas anderes, und jeder definiert spirituelle und psychische Entwicklung anders.

Deshalb soll es hier in diesem Artikel nicht um Inhalte per se gehen. Vielmehr will ich dir gerne Qualitäten aufzeigen, an denen du eine wahre Lehrerpersönlichkeit erkennst.

Guru vs. Lehrer

Das Wort Guru hat bei uns einen negativen Beigeschmack, denn das uneingeschränkte Folgen „seiner Lehre“ wird in vielen asiatischen Traditionen erwartet, in unseren Breiten aber oft kritisch hinterfragt. Spätestens seit den bekannt gewordenen Missbrauchs-Skandalen einiger buddhistischen Mönche und auch Yogalehrer ist das Bild des Gurus leider nachhaltig geschädigt.

Im eigentlichen Sinne heißt Guru im Grunde nichts anderes als „gewichtig“ – und ein wirklich spiritueller Meister aus dem Yoga sieht seine Aufgabe ausschließlich darin, Wissen zu vermitteln. Gut zu wissen: Ein Guru wird immer von seinen Schülern zum Guru erwählt, er gibt sich diesen Titel nie selbst. Sein Wissen gilt als herausragend und er ist sich normalerweise seiner großen Verantwortung für seine Schüler*innen bewusst.

(Siehe dazu auch unseren Artikel über den Guru Yogi Bhajan). In Indien gibt es übrigens vier Guru-Stufen und die zweite umfasst auch alle Lehrer, Dozenten, die außerhalb der Spiritualität Wissen weitergeben. Du siehst also, ein Guru ist nicht zwangsläufig ein heiliger Meister, sondern in erster Linie ein Lehrer. Nur gehen wir im Westen anders damit um. Bei uns hat sich das traditionelle indische Muster, also dass der Schüler dem Meister mit Haut und Haaren dient und folgt, mittlerweile komplett aufgelöst. Heute sollte es primär um eine Lehrerschaft gehen, die ihre Schüler respektiert und immer ermutigt, alles zu hinterfragen.

Deshalb bleiben wir in dem weiteren Artikel mehr bei den Worten Lehrer und Lehrerinnen. Übrigens mag ich dir zur Vorsicht raten. Denn wir finden gerade im Internet viele spirituelle Lehrer*innen, die dir Erfolg, Erfüllung und Glück versprechen, aber am Ende doch eher den eigenen wirtschaftlichen Gewinn in den Vordergrund stellen.

Den oder die richtige Yogalehrer*in aus der gut organisierten Marketingwelt für dich zu finden, kann dich viel Zeit und Mühe und leider auch Geld kosten.

Der Dalai Lama sagte einmal:

„ Wenn ein luxuriöser Lebensstil als Beweis für die Wirksamkeit verstanden wird, sollte das für Sie ein Grund sein, den Lehrer, die Lehre und ihre eigenen Werte in Frage zu stellen.“

Wie finde ich den richtigen Lehrer für mich?

Dieser Satz hat nach wie vor Bedeutung. Vielleicht können wir ihn aber heute noch ergänzen und sagen: Wenn viele Likes auf Facebook oder Instagram heute als Beweis für die Wirksamkeit verstanden wird, dann sollte das für Sie ein Grund sein, den Lehrer, die Lehre und ihre eigenen Werte in Frage zu stellen.

Zunächst darfst du dir bewusst werden, wohin deine Reise denn gehen soll. Was möchtest du auf deinem Weg erreichen, was suchst du? Wenn wir beim Yoga bleiben, ist die Frage, was du wirklich willst. Nur weil das Yogastudio bei dir um die Ecke ist, oder es den schönsten Raum, die günstigsten Preise, oder einen gutaussehenden Yogalehrer hat, ist dies keine Garantie dafür, dass du dort auch den/die Richtigen für dich findest. Sei ruhig anspruchsvoll, denn der Gewinn dadurch ist enorm für dich.

Es macht nämlich einen riesen Unterschied, ob du einmal die Woche zum Yoga gehst und die Stunde halt irgendwie absolvierst, oder ob du dort als neugieriger Schüler einen wahrhaftigen Lehrer*in findest, der Dich tief inspiriert.

Folgende Impulse können dir helfen, den für dich richten Lehrer*in zu finden:

  •  Was sagt dein Bauchgefühl zu diesem Menschen?
  •  Wie fühlst du dich in dessen Gegenwart?
  •  Wie klingt für dich seine/ihre Stimme?
  •  Schwingt ihr auf einer „Welle“?
  •  Habt ihr dieselben Ziele?
  •  Fühlst du dich in seiner/ihrer Gegenwart angenommen und voll akzeptiert?

Jeder Mensch, der sein Wissen an andere weitergibt, hat eine enorme Verantwortung für das gesunde Wachstum seines Schülers, seiner Schülerin. Natürlich ist es allerdings auch wirklich wichtig, dass ein Schüler, Übender oder Suchender ein gutes Maß an Selbstverantwortung mitbringt und kluge, eigene Entscheidungen treffen kann.

Einfach nur das tun, was ein Lehrer sagt, ohne sich mit dem Sinn, dem Warum und dem Wie auseinanderzusetzen, wird dich immer nur an der Oberfläche halten.

Was macht einen guten Yoga-Lehrer oder -Lehrerin aus?

Acht sichere Zeichen, wie du einen wahren Lehrer*in erkennst:

Er/sie...

  1. verbreitet keine Dogmen,
  2. sagt dir nicht, du bist etwas ganz Besonderes,
  3. ist stark an deiner Weiterentwicklung interessiert,
  4. holt dich liebevoll dort ab, wo du gerade stehst,
  5. hat und lebt innere Werte, die für alle zum besten Wohle sind,
  6. wenn du zuhörst, spürst du in dir Zustimmung. Es ist, als hättest du es schon immer gewußt und würdest dich gerade nur wieder daran erinnern.
  7. du spürst im Zusammensein Lebendigkeit, Bewegung und Heilung
  8. er/sie bildet sich selbst ständig weiter

Wenn du also deinen Lehrer/Lehrerin gefunden hast, kann deine Weiterentwicklung wunderbar voranschreiten. Um das Thema abzurunden, mögen wir dir hier noch ein paar Tipps geben, wie du möglichst schnell und mit Freude an dein Ziel kommst:  

Notiere dir deine Ziele und vor allem auch, was du schon erreicht hast. Feiere dich selbst, wenn du neue Erkenntnisse gewinnst, oder einen Fortschritt in deiner Yogapraxis oder beim meditieren machst. Je mehr du dir über deine Erfolge bewusst wirst, um so mehr motiviert dich das, dranzubleiben. Nimm die Übungen, die dir dein Lehrer*in vorgibt als lustvolle Herausforderung an und bleibe neugierig.

Je mehr du dein Wissen im täglichen Leben anwendest, desto mehr wirst du verstehen.

Warum deine Werte so wichtig sind:

Die inneren Werte, die du von deinem Guru oder Lehrer vermittelt bekommst, können dir einen festen Halt und Sicherheit im Leben geben. Es kommt nicht darauf an, wie hundertprozentig du sie ausfüllst, aber deine Werte sind schließlich dein Lebenskompass. Egal wie schwer die Zeiten werden, egal wie viel Ärger und Stress du manchmal mit anderen Menschen hast, deine Werte sind eine Leitlinie, die dich immer wieder auf „deinen Pfad“ zurückbringen.

Deshalb ist es wirklich wichtig, dass du dir einen Lehrer, Guru oder Yogalehrer*in aussuchst, die für dich ideale Werte haben. Eine Wertebestimmung übrigens ist eine tolle Technik, um herauszufinden, was wirklich wichtig ist.  

Also, sei anspruchsvoll und prüfe deinen Lehrer lange und genau und prüfe ihn wie Gold, bevor du ihm folgst.

Übrigens wollen wir dir hier noch aufzeigen, wie wir hier auf YogaMeHome unsere Yogalehrer*innen aussuchen, damit du immer eine hohe Qualität für dein Yoga zu Hause bekommst. 

Die Yogalehrer und Yogalehrerinnen, die du auf unserer Plattform findest, haben alle: 

  • mehrere und umfangreiche Ausbildungen im Yoga
  • Zusatzausbildungen im Gesundheitsbereich wie beispielsweise Physiotherpeuten, Psychologen, Heilpraktiker, Auyurveda-Spezialisten etc..
  • Da wir dir hochwertige Videos bieten wollen, achten wir auch auf Fähigkeiten wie Rhetorik, Auftreten, gute Stimme und Ähnliches.
  • Sie müssen integer sein. Das heißt das, was sie vor der Kamera sagen, müssen sie selbst auch leben, wenn die Kamera aus ist. Am Ende des Tages muss unser Bauch einfach sagen: Das ist ein guter, aufrichtiger und inspirierender Mensch.
  • Er/sie vertritt zudem unsere Grundwerte. Dazu gehören allen voran Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit.
  • Die Anzahl der Follower auf ihren Instagram-Accounts ist für uns unbedeutend.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig Inspiration für deine Reise geben und wünsche dir von Herzen, dass du deine Lehrerin, deinen Lehrer für dich findest.

Alles Liebe,
Susanne

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Susanne Nadler

Susanne Nadler leitete von November 2019 bis Juli 2020 die YogaMeHome-Blogredaktion. Sie ist freiberufliche Redakteurin und Videoproduzentin. Nachdem sie 17 Jahre lang für verschiedene Fernsehsender tätig war, hat sie vor einigen Jahren den Massenmedien den Rücken gekehrt und kümmert sich seitdem lieber um die wahren, guten und schönen Themen. Zum Beispiel war Susanne vorher drei Jahre lang die Redaktionsleitung des Compassioners.com.

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