Komm kuscheln - die Bedeutung einer Berührung
von Lena Raubaum (Gastautorin) in Gesundheit

Free Hugs auf der Straße oder Kuschelparties sind nur zwei Beispiele dafür, dass es immer mehr Initiativen gibt, die dafür sorgen wollen, dass sich die Gesellschaft ein bisschen mehr in den Arm nimmt. Das sind durchaus wichtige Entwicklungen, denn schließlich befinden wir uns in einer Zeit, in der wir weitaus mehr Handys als Hände halten.

Aber warum lohnt es sich eigentlich noch, der Berührung mehr Zeit und Raum zu schenken?

 Das ist jetzt schon ein paar Jahre her, da hatte ich als wow-welteroberndes Au-Pair in den USA ein berührendes Erlebnis. Eines „meiner“ Kinder, Sarah, kam nach der Schule sehr zerknittert nach Hause, warf ihre Schultasche in die Ecke und verzog sich schmollend auf die Couch. „Hey, Mäuschen, was ist los?“, fragte ich. „Nix“, schnappte Regenwettermädchen Sarah, drehte sich den Tränen nahe weg. Ich setzte mich vorsichtig neben sie und meinte: „Willst du mir nicht sagen, was passiert ist? „Nein“, sagte Sarah.

Nach einer Weile sah sie mich verweint an und sagte nur: „Halt mich, bitte.“ In dem Moment hätte ich heulen können, nahm sie in den Arm und wiegte sie – lange, behutsam, lange, behutsam. Sarah atmete ruhiger und ihre Stirn „entknitterte“ sich. Es war, als schienen wir das Problem sprachlos zu lösen und „weg zu umarmen.“ Dann schaute mich Sarah an und schniefte: „Manchmal hilft reden nichts, weißt du. Aber halten schon.“

Ganz klar: berühren berührt, geht uns an und unter die Haut. Doch warum eigentlich? Was passiert da? Nun, unsere Haut ist als Oberfläche von fast zwei Quadratmetern (!) unser größtes Sinnesorgan. Sie ist Abgrenzung, innen und außen, repräsentiert, kommu­niziert und reguliert. Sie ist Behüterin unserer Individualität, ist Hülle und Ent­hüllung, Deckmantel und Ent-Deckerin. Haut und Gehirn entwickeln sich beim Menschen aus ein und demselben Ursprung. Von da an bleiben die beiden tief ver­bunden, bis in alle Ewigkeit. Was die Haut sieht, spürt das Gehirn.

Wird die Haut wohltuend kontaktiert, erzählt sie das den Zonen im Gehirn, die für Stress, Ängste und Sorgen zuständig sind. Das Gehirn schickt dann an Körper, Geist und Seele quasi gleichzeitig eine SMS mit dem Inhalt: „Entspan­nt euch. Alles ist gut. Ihr seid geborgen.“ Und noch etwas passiert: unsere Hormonwelt macht Party; mit dem Botenstoff Oxytocin als der Star auf der Tanzfläche.

Das Kuschel-Hormon Oxytocin

Oxytocin – gern als das „Kuschel-, Wohlfühl- oder Treuehormon“ bezeichnet – wird übrigens vom Hypothalamus ausgeschüttet und heißt übersetzt „schnell gebärend“. So ist es kein Zufall (was ist in unserem Körper schon Zufall?), dass es die unter anderem Kontraktionen der Gebärmutter auslöst und die Geburt einleitet. Außerdem kann Oxytocin beim Stillen, beim Orgasmus und sogar beim Singen ausgeschüttet werden. Insgesamt sorgt es dafür, dass wir Beziehungen und soziale Kontakte als angenehm empfinden und Vertrauen gewinnen in andere Menschen. Wer den Oxytocin-Spiegel erhöhen will, dem seien Berührungen oder Massagen ans Herz gelegt.

Berührungen zeigen wirklich erstaunliche Wirkung. Berührt beispielsweise ein Arzt oder eine Ärztin bei der Visite einen Patienten oder eine Patientin am Arm oder setzt sich auf das Bett, wird die Visite als doppelt so lang, doppelt so effektiv wahrgenommen. Bei der Behandlung von psy­chosomatischen Krankheiten ergänzt Körperarbeit zunehmend die Gesprächstherapie, denn was die Seele erfahren hat, hat der Körper in sein Tagebuch geschrieben. Und wenn die Seele nicht mehr sprechen kann, vermag sie immer noch zu spüren.

Umso wichtiger ist es, „Kontaktgefühl“ zu zeigen und berührende Grenzen zu wahren. „Ist es okay, wenn ich dich in den Arm nehme?“, kann eine ganz simple Frage sein. Sie ist wie ein Anklopfen bei der Tür des anderen mit der Bitte, eintreten zu dürfen.

Gebender und Nehmender tragen in dieser Kommunikation (und Berührung ist Kommunikation!) Verant­wortung. Je klarer und achtsamer die Dinge zur Sprache gebracht werden, des­to weniger Interpretation ist notwendig.

Sich täglich berührende Momente zu gönnen, hat also erwiesenermaßen positive Effekte für Körper und Psyche. Berührung ist kein Luxus, sie ist lebensnotwendig für Menschen jeden Alters – hau(p)tsache sie tut gut. Was kannst du dir in dieser Hinsicht gönnen? Was tut dir gut? Wolltest du dir nicht schon länger einen Massagetermin ausmachen? Begib dich auf eine berührende Entdeckungsreise und lass dein Oxytocin sprudeln.

Wenn Du Lust hast Dich dem Thema Liebe & Mitgefühl mal über einige Tage näher zu widmen, dann schau mal Dir mal unser Programm "Tage der Liebe" an. Ein Online-Programm mit täglicher Yoga-Praxis zum Thema Liebe und viel Inspiration für Deinen Alltag.

Viel ... nein ... fühl Freude dabei!

Lena

Zum Online-Programm:

11 Tage der Liebe

 

Teile mich auf:

Lena Raubaum (Gastautorin)

Lena Raubaum ist ausgebildete Schauspielerin, Sprecherin, Kinderyogalehrerin und Nuad Praktikerin. Ihre Begeisterung für Yoga und ihre Liebe zu Sprache lebt sie als Chefredakteurin des Magazins YogaZEIT aus, schreibt Geschichten für den kleinen Yogi, textet so manchen Song für Janin Devi oder Mai Cocopelli und bloggt auf YogaMeHome. Wer Lena kontaktieren will, schaut am Besten mal hier vorbei: Lena Raubaum

Kommentare 

Um Kommentare schreiben zu können, musst Du eingeloggt sein.
Bitte Dich zuerst ein bzw. registriere Dich.

Zum Seitenanfang