Nimm ein Soundbad - wie Klang dich reinigen kann
von Philipp (Redaktion) in Menschen und Inspiration

Wie du mit Musik deine Gehirnwellen "reinigen" und deine Meditation unterstützen kannst, verrät der Hamburger Soundkünstler und Yogi Ivo Vossen. Seine Empfehlung: Nimm täglich ein Soundbad!

Wenn der Gong der Klangschale im Raum erklingt und langsam wieder verblasst, dann wird es im Yogi plötzlich still. Denn wenn das Ohr den Gong vernimmt, dann geschieht etwas ganz Wunderliches: Der Geist folgt dem Ton bis in die Stille und wird dadurch ebefalls still. So wurde die Kraft des Klanges in Tempeln und Meditations-Hallen schon seit ewigen Jahrhunderten verwendet. Mit Tönen können wir also den Zustand unseres Geistes beeinflussen. In der alten Tradition wird das Aufkommen und Verklingen des Gongs übrigens als ein Spiegel der Natur aller Dinge gesehen - sie kommen und vergehen.

Was mit der einfachen Klangschale anfing, wurde inzwischen wissenschaftlich untersucht und weiterentwickelt. Es ist Musik entstanden, mit deren Hilfe wir Gehirnwellen verändern können. Ich bin neugierig geworden und wollte wissen: wie beeinflussen Klänge das Gehirn? Wie kann ich mit Meditations-Musik zu mehr Fokus und Ruhe in der Meditation kommen? Ja und was wissen wir über die Kraft des Klangs tatsächlich und was ist eher dem "esotherischen Graubereich" zuzuordnen?

Einer, der sich ausführlich damit beschäftigt hat ist Ivo Vossen. Ivo ist Musiker, Tontechniker und Komponist von Meditations-Musik oder wie er gerne sagt: "Ich komponiere Soundbäder". Ivo hat übrigens auch die Musik für das Chakra-Programm mit Elena Lustig hier auf YogaMeHome komponiert. Folgend nun das Gespräch mit Ivo über die Kraft von Soundbädern.

Musik beeinflusst die Schwingung des Gehirns. Wie funktioniert das genau und warum ist das besonders für die Yoga-Praxis so (ent-)spannend?

Der Einsatz von ganz bestimmter Musik hilft uns schneller in einen Zustand von Ruhe und Entspannung zu kommen. So hilft uns Musik unsere Asana- oder Meditationspraxis tiefer zu erleben oder uns auch am Schreibtisch besser konzentrieren zu können. Das funktioniert deshalb, weil Musik unsere Gehirnwellen zusätzlich zu unseren Emotionen beeinflusst.

Die Wirkung von Musik auf unsere Gehirnwellen wurde inzwischen durch die Forschung relativ gut belegt. Zunächst sollte man wissen, dass wir im Laufe eines Tages unterschiedliche Bewusstseinszustände durchlaufen mit unterschiedlichen Gehirnwellen. So hat unser Gehirn für jede Tagesanforderung eigene Gehirnwellenmuster, die man mit einem EEG messen kann. Diese teilt man ein in:

  • Delta Wellen 0.5 - 4 HZ (Unbewusstsein / Radar)
  • Theta Wellen 4 - 8 HZ (Unterbewusstsein)
  • Alpha Wellen 8 - 12 HZ (Imagination)
  • Beta Wellen 12 - 38 HZ (kognitives Denken)
  • Gamma Wellen 38 - 42 HZ (bisher unerforscht - wird Altruismus, universeller Liebe und „höheren Werten“ zugesprochen)

Diese Gehirnwellen können wir natürlich nicht hören, weil sie in einem für uns nicht hörbaren Bereich liegen. Dennoch aber kann man sie durch Klang und Rhythmus beeinflussen. Dafür gibt es verschiedene wissenschaftlich belegte Techniken. Die bekannteste davon sind Binaural Beats. Dort werden dem linken Ohr z.B. 100 Hz und dem rechten Ohr z.B. 104 Hz zugeführt. Das Gehirn versucht diesen Unterschied auszugleichen und dabei werden 4 Hz Schwingungen im Gehirn stimuliert.

Eine weitere Technik heisst DAT (Dynamik Attending Theory), die übrigens auch schon im Schamanismus verwendet wurde. DAT beruht darauf, dass wir einen biologischen Rhythmus haben und schon „voraus erwarten“ was als nächstes passiert, wie z.B. bei einem bestimmten Beat oder Schwingungsimpuls. Dadurch wird beispielsweise der hypnotische Effekt von Techno oder auch klassischer Musik erklärt. Mit diesen und anderen Techniken lassen sich also die unterschiedlichen „Tageszustände“ des Gehirns beeinflussen und so für zum Beispiel Entspannungszustände oder Fokussierung bei der Arbeit nutzen. Das ist für uns Yogis insbesondere deshalb relevant, weil wir so mittels Sounds unsere Gehirnwellen in einen „Ruhezustand“ versetzen können, der uns das Meditieren erleichtert. Die eigentliche „Arbeit“ des Meditierens bleibt natürlich weiterhin jedem selbst überlassen.

Du komponierst Soundbäder. Was hat es damit auf sich?

Ja genau. Soundbäder sind eine Technik, mit der ich sehr gerne arbeite. Soundbäder helfen uns, alte Denk- und Gefühlsmuster zu durchbrechen indem sie verschiedene Bereiche im Gehirn stimulieren. Soundbäder funktionieren also grundlegend anders, als "normale" Musik. Musik aktiviert über Melodien meist bereits bekannte Denk- und Gefühlsmuster. Höre beispielsweise eine traurige Melodie. Unmittelbar beim Hören wird das alte Denk- und Gefühlsmuster der Trauer abgerufen - ein alter Pfad wird also wiederholt betreten und dabei sogar vertieft.

Soundbäder hingegen arbeiten nicht mit Melodien, sondern mit bestimmten Schwingungsfrequenzen. Durch die wissenschafltich bewiesenen Techniken wie Binaural Beats oder DAT können die Gehirnströme - und dadurch man selbst -  in einen Alpha oder gar Theta-Zustand versetzt werden. Das heißt die Gehirnströme werden erst mal herunter gefahren, wodurch das Gehirn aufnahmefähiger für das Unterbewusstsein wird. Es werden also keine alten Muster abgerufen, wie bei "normaler" Musik, sondern das Gehirn bekommt die Möglichkeit, gänzlich neue Pfade zu erzeugen. Soundbäder  wirken wie eine Art Reinigung, weil sie dem Unterbewusstsein sozusagen ein weißes Blatt Papier anbieten, auf dem es sich dann zeigen kann.

Was ist davon wissenschaftlich belegt und was sind eher Graubereiche?

Jahrhundertelang gab es nur „alt überliefertes Wissen“. Inzwischen hat die moderne Wissenschaft viele der althergebrachten Methoden wie wie z.B. Klangschalen oder Gong anerkannt. Als bewiesen gelten die anfangs erwähnte Binaural Codes und DAT. Andere Methoden sind nicht bewiesen, was nicht bedeutet, dass sie keine Berechtigung hätten. Vielleicht gab es, wie zuvor bei den anderen Techniken, nur noch nicht die richtigen wissenschaftlichen Tests.

Bei meinen Sounds verbinde ich jedenfalls altes Wissen mit moderner Wissenschaft. Wer mehr über Meditations-Musik und die Forschung außenrum wissen möchte, schaut am besten mal auf meiner Website vorbei: ResonanceSpace.de .

Stimmt es, dass bestimmte Chakren bestimmte Frequenzen haben oder ist das Quatsch?

Da jeder Mensch unterschiedlich gross ist und dementsprechend eine andere Resonanzfrequenz hat, ist es für mich schwer vorstellbar, dass eine exakte Chakra-Frequenz für alle Menschen zutrifft. Ich würde es eher als eine Tendenz sehen. Zusätzlich zu der ungefähren Frequenz halte ich zu den Chakras passende Emotionen der Soundbäder für mindestens genauso wichtig. Ein Soundbad zu jedem Chakra ist ja hier auf YogaMeHome von mir erschienen. Am besten einfach mal ausprobieren und schauen, was es mit einem macht.

Wie bist Du persönlich zu diesem Thema gekommen und was fasziniert Dich daran?

Mein Vater ist Ethnologe und so bin ich früh in den Kontakt mit fremden Kulturen und Gedankengut gekommen. Im Alter von sechs Jahren lernte ich dann Gitarre. In Fingerübungen erkannte ich den meditativen Aspekt, den ich in Musikern wie Steve Reich oder Brian Eno oder auch Pink Floyd wieder entdeckte. Später produzierte ich diverse Kundalini Mantra Alben. Die Verbindung von alter Weisheit und moderner Wissenschaft hat mich schon immer fasziniert. Das Potenzial des Gehirns ist so immens. Wir können uns bis zu einem gewissen Grad selbst neu verknüpfen bzw. stimulieren. So lag es auf der Hand Sounds zur Unterstützung für jegliche Formen der meditativen Praxis zu nutzen.

Auf YogaMeHome bietest Du für alle Mitglieder sieben Deiner Soundbäder an. Aber auf Deiner Website gibt es noch viel mehr. Was machst Du dort sonst noch?

Auf meiner Website ResonanceSpace findet man, neben ein paar wissenschaftlichen Erklärungen, Sounds mit denen man Gehirnwellen für die verschiednen Bedürfnisse des Tages stimulieren kann. Also beispielsweise für Schlaf, Entspannung, Meditation oder High Performance bei der Denkarbeit. Außerdem gibt es geführte Mediationen diverser Coaches. Ein besonderer Bereich sind die Soundbäder zu denen auch die bei YogaMeHome veröffentlichten Chakra-Sounds gehören, die ja auch teilweise in Elena Lustigs Online Programm Chakra-Yoga eingeflossen sind.

Ivo, vielen Dank für Deine Soundbäder auf YogaMeHome und Deine Zeit für dieses Interview.

Philipp

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Philipp (Redaktion)

Philipp Strohm ist Gründer von YogaMeHome. Wenn er nicht gerade mit seiner Kamera auf Tour ist, um die Lehrer-Perlen der deutschsprachigen Yoga-Welt zu finden, dann lebt er mit seiner Familie in Wien.

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