Achtsam schlank mit Nuria Pape: „Die innere Stimme ist es, um die es geht.“
von Melanie Beran in Menschen und Gesundheit

Nuria Pape ist Ernährungsberaterin und Achtsamkeitscoach. Sie zeigt mit ihrer "Achtsam-schlank-Methode" einen Weg raus aus dem Dschungel der Diäten und Dogmen rund um Ernährung. Sie spricht über innere Schönheit statt Selbstoptimierung und darüber wie jede/r es schaffen kann, mit Achtsamkeit sein Wohlfühlgewicht zu erreichen.

"Achtsam Schlank" - was verbirgt sich hinter dieser Methode?

"Achtsam Schlank" ist ein Konzept für alle Menschen, die sich gerne wohl in ihrer Haut fühlen möchten und dazu auch abnehmen wollen und das ganze ohne Diät, Verbote oder irgendwelche aufgedrückten Essregeln. Stattdessen geht es darum, wieder achtsam zu werden für die eigenen Bedürfnisse und für die Ernährung, die mir wirklich gut tut. Es geht dabei um Fragen wie: Warum esse ich überhaupt? Aus Hunger, oder vielleicht doch ziemlich oft aus Gewohnheit? Oder weil mich meine Sinne verführen, oder weil ich Stress habe oder traurig bin? Denn es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum wir essen, ohne überhaupt Hunger zu haben. Eigentlich möchten wir dann ein ganz anderes Bedürfnis befriedigen. Es geht aber auch darum, wieder zu spüren, WELCHE Nahrung mir gut tut. Das heißt: Ich lasse mir nicht von einem Diätplan vorgeben, was ich essen soll. Sondern ich spüre selbst am eigenen Körper, was mir guttut – und was nicht. Ich bin einfach überzeugt: Jeder Mensch ist sich selbst der beste Experte. Wir dürfen wieder mehr auf unsere innere Weisheit vertrauen.

Ernährung und Achtsamkeit - wie bist Du dazu gekommen?

Über meine eigene Geschichte. Ich habe selbst mit 15 Jahren meine erste Diät gemacht und jahrelang Diät gehalten. Dabei bin ich von einer Diät zur nächsten gesprungen. Immer wenn ich mit einer Diät keinen Erfolg mehr hatte, dachte ich, es liegt wahrscheinlich an der Diät, ich versuche mal etwas anderes. Bis ich irgendwann tausend Ernährungskonzepte und tausende Regeln in meinem Kopf hatte und komplett unentspannt war. Das Schlimme ist, dass darunter auch mein Selbstwert massiv gelitten hat. Denn wenn man ständig Diät hält, bekommt man ein sehr verkrampftes Körpergefühl. Man verliert komplett den Genuss beim Essen. Es geht nur noch um Kalorien, um Kohlenhydrate, um irgendwelche Regeln.

Außerdem schafft man es natürlich nie, sich ständig an die selbst auferlegten Regeln zu halten, weswegen man dann frustriert ist, wütend auf sich selbst und man zweifelt an seiner Willenskraft. Irgendwann hab ich mich dann gefragt: Ich bin doch eigentlich ein willensstarker Mensch. Wie kann das sein, dass ich es nicht schaffe, mich an Diäten zu halten? Und dann habe ich angefangen zu recherchieren und in wissenschaftlichen Studien die Antworten gefunden. Darin steht nämlich schwarz auf weiß, was ich am eigenen Körper erfahren habe. Diäten funktionieren auf lange Sicht einfach nicht. Wir bekommen dadurch nur ein verkrampftes Verhältnis zu unserem Essen, ein verkrampftes Körpergefühl und schlussendlich tritt auch noch der Jojo-Effekt ein.

Dann bin ich auf Achtsamkeit gestoßen und hab erkannt, dass es einen anderen Weg gibt, wie ich wieder zu meiner Mitte finden kann, wie ich auch das Verhältnis zu meinem Körper wieder heilen kann. Und wie ich mich gleichzeitig so ernähren kann, dass ich meinen Körper auch achte und wertschätze. Achtsamkeit macht's möglich.

Wie ist die Achtsamkeit in Dein Leben getreten? War das in Form von Meditation oder ging es wirklich nur um's Essen am Anfang?

Erst ging es wirklich nur um's Essen. Also ich hatte vorher zwar schon eine Coaching-Ausbildung gemacht und kannte von daher die Wirkung von Mentaltraining. Ich kannte auch Hypnose. Ich wusste also, dass wir ganz viel mit unserem Geist erreichen können, wenn wir wissen, wie wir ihn trainieren. Ich habe das aber tatsächlich zuerst nur auf meine Ernährung angewandt. Allerdings hat sich das schnell geändert, denn das mit der Achtsamkeit ist ja wie mit einem Stein, den man ins Wasser wirft und der dann immer größere Kreise zieht. Mittlerweile bin ich achtsamer in meinen zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich bin achtsamer mit meinen Bedürfnissen und meinen Gefühlen. Ich hab dadurch unheimlich viel gelernt. Insofern sehe ich das Thema Diäten und Ernährung und meinen Kampf mit diesem Thema als Geschenk, weil ich dadurch auf die Achtsamkeit gestoßen bin und diese mein Leben jetzt sehr bereichert.

Warum sind Diäten nicht geeignet, damit wir dauerhaft abnehmen?

Diäten stülpen uns von außen ein bestimmtes Set an Regeln über: Iss nur so-und soviele Kalorien, meide Kohlenhydrate, meide Fett, etc... Das Problem: Es gibt tausend unterschiedliche Empfehlungen. Da verlieren wir nicht nur den Überlick, wir verlieren irgendwann auch komplett den Genuss beim Essen. Ganz im Gegenteil, essen wird zu etwas richtig stressigem. Wir denken dann ständig an Kalorien, an Kohlenhydrate oder an Punkte. Und auf einmal rattert es in unserem Gehirn und wir sind in Gedanken ständig mit unserem Essen beschäftigt. Darf ich mir noch einen Nachschlag nehmen oder sprenge ich dabei mein Kalorienkonto?, Darf ich mich auf die Einladung zur Party oder das Familienfest freuen oder gibt es da am Ende nur lauter verführerische Sachen, die mir die Diät versauen?, Und was mache ich im Urlaub? Am Buffet? Da nehme ich am Ende wieder nur zu., etc... Wir machen uns also einen unheimlichen Stress und vergessen bei all diesen Regeln die wichtigste Sache überhaupt: Die eigene Körperstimme. Wir vergessen, einfach mal in uns reinzuhören. Was sagt denn MEIN Körper?! Warum und wie viel will ich essen? Welches Essen tut mir gut? Wann gönne ich mir voller Genuss ein Eis, Schokolade oder Kuchen, selbst wenn ich keinen Hunger habe? Einfach weil ich das genieße und so richtig zelebriere. Und wann sage ich selbstbewusst NEIN – weil mir eine Esspause jetzt viel besser tut und ich dabei mehr bei mir, „in meiner Mitte“ bleibe und mir beibringe, nicht jeder Versuchung nachzugeben? Diese Fragen sind mir viel wichtiger, als mich an irgendwelche äußeren Regeln zu halten. Die innere Stimme ist es, um die es geht.

Woher kommt unser (meistens jenes der Frauen) Gefühl, ständig abnehmen zu müssen?

Wir leben einfach unter einem starken Schönheitsdruck, der uns einredet, dass wir begehrenswert sind, wenn wir total dünn sind und das ist wirklich traurig. Das liegt auch daran, was wir konsumieren. Social Media ist ein Thema. Es geht zum Beispiel darum, mit welchen Bildern wir uns selbst auch bombardieren. Da darf auch ruhig jeder mal in sich hineinhören. Eine Frage wäre: Tut mir das überhaupt gut, gewissen Leuten auf Instagram zu folgen? Auf einer oberflächlichen Ebene bemerken wir gar nicht, was das mit uns macht. Wir denken, wir sehen nur schöne Bilder oder vermeintlich auch motivierende Bilder. Aber in Wirklichkeit programmieren wir damit unser Unterbewusstsein mit Messages, wie wir auch sein sollten und das kann uns in einen Konflikt mit uns selbst bringen bzw. an unserem Selbstwert nagen.

Ich habe ja gar nichts dagegen, wenn jemand abnehmen möchte. Aber ich frage bei meinen Coachees schon nach: WARUM möchtest du denn abnehmen? Und da kommen dann so Antworten, wie „Ich möchte mich endlich wieder leicht fühlen.“, „Ich möchte beschwingter und in meiner Energie sein.“, „Ich möchte frei von Diäten sein und im Einklang mit meinem Körper.“. Das sind doch wunderschöne Ziele. Ich werde nur stutzig, wenn jemand sagt: „Ich will Gewicht XY.“ oder „Ich hätte gerne Kleidergröße XY.“ Denn es ist gefährlich, seinen Selbstwert von einer Zahl abhängig zu machen. Das ist halt einfach ein Wert, der von außen kommt. Der sagt nichts darüber aus, wer ich bin und wie ich mich im Inneren fühle.

Für mich entsteht Schönheit im Inneren. Und diese innere Schönheit dringt auch nach außen. Man sieht sie zum Beispiel an einer faszinierenden Ausstrahlung. Diese Ausstrahlung sagt: „ich fühle mich wohl in meiner Haut.“ oder „Ich ruhe in mir selbst.“, „Ich weiß, wer ich bin, was ich kann und was ich wert bin.“. Mit diesem Mindset ist es vollkommen okay, wenn man abnehmen will. Zum Beispiel aus Selbstfürsorge, weil ich meinen wunderbaren Körper pflegen will, weil ich mir gut tun will oder weil ich mich gut ernähren will.

Wie kann Meditation beim Abnehmen helfen?

Meditation schult die Achtsamkeit für mich selbst. Ich wende den Blick nach INNEN. Ich nehme mich und meinen Körper endlich wieder wahr. Dadurch bin ich wieder achtsamer für mich und meinen Körper – und seine Signale. Ich mache zum Beispiel eine wunderschöne Meditation mit meinen Coachees, in der sie lernen, den eigenen Magen wieder zu erspüren und seine Signale wieder wahrzunehmen. Das ist oft ganz bewegend für die Meditierenden, was da alles aus dem tiefsten Inneren zum Vorschein kommt. Unser Körper spricht ja den ganzen Tag mit uns, doch oft hören wir einfach nicht hin. Durch Meditation können wir wieder lernen, hinzuhören.

Und wir lernen, mit allen Empfindungen umzugehen – den schönen und den unangenehmen. Denn oft ist Meditation ja nicht nur schön und entspannend. Ich werde mir durch Meditation auch meines „Leides“ bewusst, ob das jetzt mein schmerzender Rücken ist oder mein juckender Fuß oder die Tatsache, dass meine Gedanken immer abdriften. Ich lerne dadurch, dass alles im Leben kommt und geht, wie Wellen. Kein Gedanke bleibt für immer. Kein Gefühl bleibt für immer. Alles fließt und alles darf sein. Das ist eine unheimlich machtvolle Lektion, die wir lernen können, weil wir damit auch lernen, unsere Gefühle zu managen. Wir essen immerhin ja sehr oft aus Gefühlsgründen. Meditation kann da ein sehr hilfreiches Tool sein, um Hunger zum Beispiel von Lust zu unterscheiden oder Genuss von Belohnung.

Empfiehlst Du Vegetarismus oder gar Veganismus?

Ich empfehle generell keine bestimmte Ernährungsform. Mir geht es ja darum, dass die Menschen wieder selbst zum Experten für sich und ihre Wohlfühlernährung werden. Welche Lebensmittel tun mir gut? Welche sättigen mich? Und natürlich auch: Bei welchen Lebensmitteln fühle ich mich auch emotional und spirituell gut? Ich verstehe sehr, wenn sich ein Mensch einfach wohler und achtsamer fühlt, wenn er auf tierische Produkte verzichtet. Und ich habe großen Respekt vor Vegetariern und Veganern. Dennoch, ich selbst möchte niemanden zu einer bestimmten Lebensweise erziehen. Ich bin überzeugt, dass jeder in den Tiefen seines Herzens schon selbst seine eigene Wahrheit kennt. Achtsamkeit hilft uns dabei, unsere eigene Wahrheit zu entdecken und aus uns fließen zu lassen. Und wenn wir unsere eigene Wahrheit leben und uns nach unserer eigenen Wohlfühlernährung richten, dann funktioniert das auch viel besser, als wenn jemand von außen Vorgaben macht.

Liebe Nuria, vielen Dank für dieses Interview!

 

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Wenn Du Dich für die "Achtsam-schlank-Methode" interessierst, besuche Nuria am besten auf Achtsam schlank und höre in ihre interessanten Podcasts hinein oder buche ein persönliches Coaching bei ihr.

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Melanie Beran

Melanie Beran ist Mitarbeiterin der YogaMeHome-Redaktion und Ernährungsberaterin nach Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM). Wenn Du mehr über Ernährung nach TCM erfahren möchtest, schau mal auf ihrer Website vorbei: Seelenküche

 

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