Warum mir Yogalehrerausbildungen am Herzen liegen
von Philipp (Redaktion) in Inspiration

Für alle, die über eine Yogalehrerausbildung nachdenken oder als aktive Lehrer:innen eine vertiefende Weiterbildung suchen.

Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge von YogaMeHome. Ich war tief beeindruckt von den Lehrer:innen, die ich auf meinen ersten Reisen für die Plattform kennenlernte. Was sie alle gemeinsam hatten: echte Tiefe. Jahre der Praxis, lange Ausbildungswege, ein Yoga-Verständnis, das weit über das Körperliche hinausging.

Und dann schaute ich mir an, was am Markt so angeboten wurde.

200-Stunden-Ausbildungen. In wenigen Wochen zum Yogalehrer. Manchmal sogar online, ohne je wirklich unter den Augen eines erfahrenen Lehrers gestanden zu haben. Ich will das nicht verteufeln. Aber ich finde es wichtig, offen darüber zu sprechen, was das mit der Yoga-Szene macht.

200 Stunden sind schlicht zu wenig

Zum Vergleich: Ein Masseur mit anerkanntem Zertifikat braucht mindestens 600 Stunden Ausbildung. Ein Frisör lernt drei Jahre. Und jemand, der andere Menschen beim Yoga begleiten soll, Menschen mit Rückenproblemen, Stress, vielleicht sogar psychischen Belastungen, der kommt mit 200 Stunden aus dem Kurs?

Das Problem ist nicht nur die Stundenanzahl an sich. Es ist die Zeit. Wissen, das wirklich sitzt, braucht Zeit zum Reifen. Wer einen Yogakurs absolviert, hat danach Informationen im Kopf, aber noch kein Verständnis im Körper. Das kommt durch Üben, durch Unterrichten, durch Scheitern, durch nochmal Lesen, durch ein Gespräch mit dem Lehrer halb ein Jahr später, wenn man endlich weiß, welche Frage man stellen muss.

Yoga ist kein Handwerk, das man in Häppchen vermitteln kann. Es ist, in seinen besten Momenten, ein Reifeprozess. Und Reifeprozesse lassen sich nicht abkürzen.

Was das mit dem Yoga selbst macht

Die Konsequenz dieser Entwicklung ist sichtbar: Yoga hat sich zunehmend zu einer rein körperlichen Praxis entwickelt. Das ist nicht komplett falsch, Asana-Praxis ist wertvoll und es gibt sehr gute körperliche Yogaklassen. Aber das Potenzial von Yoga ist so viel größer. Philosophie, Pranayama, Meditation, Psychologie, Ethik, die Fähigkeit, einen Raum zu halten und Menschen wirklich zu begleiten. All das braucht Fundament. Und Fundament braucht Zeit.

Wenn Lehrer:innen selbst nicht tief genug in die Materie eingetaucht sind, können sie diese Tiefe auch nicht weitergeben. So entsteht eine Yoga-Szene, die vor allem eines sehr gut kann: Fitness-Yoga.

Deshalb freuen wir uns über die Kooperation mit BDYoga

Der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDYoga) teilt diese Haltung. Und genau deshalb sind wir dort Kooperationspartner. Weil auch uns am Herzen liegt, dass Yogalehrer:innen wirklich gut ausgebildet sind. Nicht nur technisch, sondern in dem vollen Sinne: reflektiert, ethisch bewusst, philosophisch verankert und in der Praxis erfahren.

Die Ausbildungen des BDYoga

Weil einige unter euch vielleicht selbst mit dem Gedanken spielen, eine Ausbildung zu machen, oder weil ihr als aktive Yogalehrer:innen eure Ausbildung vertiefen wollt, stellen wir sie heute kurz vor.

Der BDYoga bietet zwei Abschlüsse:

YogalehrerIn Basic BDY

725 Stunden (davon 350 Stunden Selbstlernzeit), 2,5 Jahre Ausbildungsdauer, ZPP-zertifiziert. Das bedeutet: Absolvent:innen können anschließend Präventionskurse anbieten, die von Krankenkassen anerkannt werden.

YogalehrerIn BDY/EYU

1.150 Stunden (davon 550 Stunden Selbstlernzeit), 4 Jahre Ausbildungsdauer, ZPP-zertifiziert. Vertiefte Inhalte zu Methodik, Philosophie und Meditation. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr werden Auszubildende bereits Mitglied beim BDYoga und können das Netzwerk des Verbands vollumfänglich nutzen.

Der Lehrplan wurde im Herbst 2025 überarbeitet und ist jetzt kompetenzorientiert, das heißt, es wird klar definiert, welche konkreten Fähigkeiten am Ende vorhanden sein sollen. Die Inhalte reichen von Asana, Pranayama, Meditation und Philosophie über Anatomie, Didaktik und psychologische Grundlagen bis hin zu Ethik und Berufskunde. Lehrproben gehören verpflichtend dazu. Institute, die das Siegel „BDYoga-anerkannte Ausbildung“ tragen, werden regelmäßig geprüft und verpflichten sich auf verbindliche Qualitätsstandards.

Ein letzter Gedanke

Wenn du mit dem Gedanken spielst, selbst eine Ausbildung zu machen, dann schau dir ruhig genau an, wie viel Zeit sie dir gibt. Nicht nur Stunden zu zählen, sondern wirklich Zeit. Zeit zum Üben, zum Verarbeiten, zum Wachsen.

Schau dabei auch mal beim BDYoga, dem Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland, vorbei. BDYoga

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Philipp (Redaktion)

Philipp Strohm ist Gründer von YogaMeHome. Wenn er nicht gerade mit seiner Kamera auf Tour ist, um die Lehrer-Perlen der deutschsprachigen Yoga-Welt zu finden, dann lebt er mit seiner Familie in Wien.

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Im schönen Odenwald in Baden-Würtemberg lebt R. Sriram, Yogalehrer und Autor diverser Yogapublikationen. Sriram wurde im indischen Madras, dem heutigen Chennai, geboren und war selbst lange Jahre Schüler von T.K.V. Desikachar.

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