Die Bhagavadgita im Alltag Leben – Buchtipp
von Elena Patzer (Redaktion) in Rezensionen und Philosophie

Die Bhagavadgita ist eine der wichtigsten Schriften im Yoga. Warum eigentlich? Welches Wissen die Gita für Yogis parat hält, darüber schreibt Eckard Wolz-Gottwald in seinem neuen Buch.

Worum geht es in der Bhagavadgita?

Fangen wir von vorn an: Worum geht es eigentlich in der Bhagavadgita (liebevoll auch kurz Gita genannt), einer der zentralsten Schriften des Hinduismus?

Sie erzählt, wie dem Krieger Arjuna in einem Lehrgespräch mit dem Gott Krishna die bedeutendsten Lehren des Hinduismus offenbart werden. Letztlich fordert Krishna Arjuna dazu auf, seiner Pflicht als Angehöriger der Kriegerkaste nachzukommen und in den Krieg zu ziehen.

Also geht es um die Lehre der Hindus? Nein, die Gita enthält noch so viel mehr:

„Unter der hinduistischen Schale liegt das Fruchtfleisch des Yoga verborgen.“

…schreibt Eckard Wolz-Gottwald in seinem neuen Buch „Die Bhagavadgita im Alltag Leben“ und sagt auch, warum. In der Gita werden unter anderem die 4 großen Übungswege des Yoga erklärt. Und sie hält viele Weisheiten parat, die uns noch heute im modernen Alltag eine Hilfe sein können.

Mehr erfährst Du im Interview:

Interview mit Eckard Wolz-Gottwald

Was fasziniert Dich so an der Gita?

Der Yoga der Bhagavadgita meint nicht nur eine Revolution zur Zeit ihrer Abfassung. Es geht auch um eine Revolution gegenüber den Verkrustungen in unserer heutigen Zeit. Die Yoga-Wege der Bhagavadgita können uns zeigen, um was es in unserem Yoga des 21. Jahrhunderts letztendlich geht.

Warum sollte jede:r Yogi:ni die Bhagavadgita gelesen haben? Was macht sie zu einer so bedeutsamen Schrift?

Die große Popularität er­langte die Bhagavadgita vor allem durch ihre Verehrung als heilige Schrift des Hinduismus. Man kratzt jedoch nur an der Oberfläche ihrer Schale, würde man sie ausschließlich als ‚Bibel‘ der Hindus verstehen. Unter der hinduistischen Schale liegt das Frucht­fleisch des Yoga verborgen. Und die hier zu findenden Yoga-Wege haben es in sich.

Die 4 großen Übungswege des Yoga

Nach Eckard Wolz-Gottwald in "Die Bhagavadgita im Alltag leben".

Karma Yoga: Yoga des Handelns

Yoga wird in konkreten Alltagssituationen geübt, da das Handeln selbst zur Übung des Yoga wird. ► Handeln

Jñāna Yoga: Yoga der Erkenntnis

Philosophische Übungspraxis, in der mithilfe des Denkens und der Reflexion Erfahrung von Lebensweisheit gefördert wird. ► Denken

Bhakti Yoga: Yoga der liebenden Hingabe an Gott

Religiöse Übungspraxis, in der man mit der Dimension des Gefühls und des Herzens übt, vor allem durch Rituale, Gebete, Chanten und Singen. ► Fühlen

Dhyāna Yoga: Yoga der Meditation

Der/die Übende öffnet sich in der Meditation für das innere Göttliche, um dann das meditative Erfahren mitten im Alltag zu leben. ► Integriert alle drei Bereiche

Hierzulande ist besonders Hatha Yoga beliebt für seine Wirkung für mehr körperliche Gesundheit und gegen Stress. Mit welchen Schätzen warten die weiteren Yogawege auf uns?

Wir können auf der Yogamatte viel für unsere Gesundheit tun. Das ist gut so. Aber Yoga will mehr. Und Yoga kann mehr.

Es geht nicht nur darum, sich für die Anforderungen unserer Leistungsgesellschaft fit zu machen. Gesundheit, Erfolg, Wohlstand und Anerkennung, die sogenannten 'Früchte des Handelns' sind nicht alles. Nur weil wir Erfolg haben, ist unser Handeln nicht automatisch schon gut.

Die Übungswege zeigen, wie es möglich ist, sich von unseren Abhängigkeiten an die Früchte zu lösen, um die Achtsamkeit für das zu entwickeln, was wirklich unsere Aufgabe in diesem Leben ist.

Was können wir noch aus der Gita für unseren Alltag ziehen?

Die Stärke der Bhagavadgita liegt darin, die Grundlagen für die vier großen Wege des Yoga gelegt zu haben, die Yoga nicht nur als Weg nach innen aufzeigen, sondern wieder zurück in den Alltag tragen.

Auf diesen Grundlagen werden in dem jetzt erschienenen Buch konkrete Übungen aufgezeigt, wie wir die vier Yogawege in unserer Zeit praktizieren können.

Hast Du ein Lieblings-Zitat? Was bedeutet es für Dich?

"Deshalb vollziehe ohne daran anzuhaften stets die Handlung, die zu tun ist. Denn wer ohne anzuhaften handelt, der Mensch erreicht das Höchste." (Bhagavadgita 3.19)

Der erste Schritt bedeutet immer, unserer 'Anhaftungen' bewusst zu werden, zu merken, wo es hakt. Wenn wir den Yogaweg dann weitergehen, könnten wir das Entscheidende in den Blick bekommen, die 'Tat, die zu tun' ist.

Die Tiefe des Yoga liegt nicht im Streben nach seinen nicht selten spektakulären Früchten, sondern in dem Bewusstsein für das wirklich Notwendige im Hier und Jetzt.

In der Bhagavadgita geht es auch um eine Frage, die uns noch heute beschäftigt: Wie finden wir unsere Bestimmung im Leben? Welche Antwort gibt sie uns darauf?

Auf der Matte können wir uns spüren lernen, unseren Körper, unseren Atem, unseren Geist in neuer Stimmigkeit und innere Stärke erfahren. Yoga muss mit dem Verlassen der Matte jedoch nicht aufhören. Wir können Bewusstheit auch mitten im Leben üben.

Der Yoga der Bhagavadgita spricht hier vom Svadharma, der Erfahrung der inneren Bestimmung. Das Problem ist, dass wir an unserer eigentlichen Lebensaufgabe tagtäglich vorbeigehen.

Alle vier großen Übungswege des Yoga der Bhagavadgita wollen das Bewusstsein für den Svadharma fördern, um die innere Klarheit für das zu erlangen, was unserem Leben wirklich Sinn gibt.

Gibt es noch etwas, das Du gerne sagen möchtest?

Sich seines eigenen Svadharma (innere Bestimmung) bewusst zu werden, hierin kann schon eine enorme Sprengkraft liegen. Vielleicht ist es nicht ganz ungefährlich, sich mit den alten Texten der Yoga­Weisheit zu beschäftigen, die so vehement die Loslösung von den Grundprinzipien unserer Leistungsgesellschaft fordern.

Ich denke jedoch, es könnte sich lohnen.

Buch-Tipp: Die Bhagavadgita im Alltag leben

Eckard Wolz-Gottwald zeigt in diesem Buch nicht nur das geschichtliche und philosophische Fundament des Yoga der Bhagavadgita auf, sondern geht vor allem auf die Darlegung der vier großen Übungswege ein.

Die einzelnen Kapitel enthalten zahlreiche Übungen, die zeigen, wie der Yoga der Bhagavadgita heute konkret geübt und gelebt werden kann.

Ein wunderbares Lehrbuch für alle, die Yoga nicht nur auf der Matte, sondern als Lebensweg auch mitten im Alltag leben wollen.

Mehr Infos zum Buch

 

Mehr über Eckard Wolz-Gottwald

Dr. Eckard Wolz-Gottwald lehrt Philosophie in der Yogalehrausbildung verschiedener Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gemeinsam mit Angelika Beßler gründete er die BDY­ Ausbildungsschule 'Yoga-Akademie Münster-Osnabrück'. Sein Yoga-Philosophie-Atlas gehört inzwischen zu den Standardwerken der Yogaphilosophie.

Mehr Infos: www.ya-mo.de

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Elena Patzer (Redaktion)

Elena ist Texterin und Yogini mit ganzem Herzen. Meist trifft man sie in Indien oder Südost-Asien, wo sie das gute Leben genießt, Yoga übt und immer gerade in mindestens einem Kurs über Yoga, Heilung oder Kunsthandwerk steckt. Seit August 2020 leitet sie unseren Blog und unterstützt uns auch in anderen Text-Belangen.

Mehr von Elena lest Ihr hier: elenayoga.de/

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