Entrümpeln für Emotionale: Wie Du es schaffst, auszusortieren
von Elena Patzer (Redaktion) in Inspiration

Dir fällt Aussortieren schwer, weil Du an jedem Stück emotional hängst? Diese Tipps von japanischen Ordnungs-Expertinnen können Dir helfen, loszulassen. So schaffst Du mehr Raum in Deinem Zuhause und Herzen.

Die Sehnsucht nach Ordnung, Freiraum und mehr „Luft“ zuhause ist groß. Ein Blick in die Selbsthilfe-Abteilung der nächsten Buchhandlung reicht: Dort wollen zahlreiche Ratgeber beim Entrümpeln, Ordnen, ja sogar einem minimalistischen Lebensstil helfen. Die bekannteste unter ihnen ist die Japanerin Marie Kondo, die sogar eine eigene Netflix-Serie hat, in der sie in jeder Folge einem anderen Haushalt dabei hilft, ihr Zuhause – und ihr Leben – zu verändern.

Denn das ist die tiefere Ebene des Entrümpelns: Es befreit auch innerlich. Man lässt los, was einem nicht mehr guttut. Und man fühlt sich selbst wieder ganz „aufgeräumt“.

„Loslassen entlastet und macht uns das Herz (und Leben) leichter.“

Hideko Yamashita

Zu viel Besitzt belastet: Die energetische Perspektive

Diese energetische Ebene betont die Aufräum-Expertin Hideko Yamashita (ebenfalls Japanerin) besonders. Sie sieht Gerümpel als stagnierende Energie und Zeichen von Stillstand.

Denn überflüssige Gegenstände blockieren Energie. Sie liegen im Weg, nehmen Raum ein und halten uns in der Vergangenheit fest. Wenn das Gerümpel und die Unordnung überhand nehmen, fühlen wir uns nicht mehr wohl. Das Zuhause ist dann kein Kraft-Ort mehr, an dem Du Deine Energie auffüllen kannst.

„Wie im Innen, so im Außen“ zeigt sich auch deutlich in der Wohnung. Wer innerlich nur schwer loslassen kann, sammelt auch gern daheim viele Dinge an. Das Prinzip funktioniert aber auch andersherum: „Wie im Außen so im Innen.“

Wenn Du beginnst, Deine Wohnung zu entrümpeln und Dich von Altlasten zu trennen, gewinnst Du auch innerlich an Freiraum. Gestalte Deinen Wohnraum so, dass er das widerspiegelt, wie Du Dich fühlen möchtest. So wird Dein Zuhause zu einem großen Vision-Board, das Dich jeden Tag dabei unterstützt das Leben zu führen, das Du Dir wünschst.

Deine Wohnung ist ein riesiges Vision-Board, das Dich unterstützt, Dein Leben zu gestalten.

Warum fällt es so schwer, Dinge loszulassen?

Aber warum ist das Aussortieren so schwer? Warum kann man sich nicht vom Kleid trennen, das man eh nicht mehr trägt? Oder von der Bücher-Sammlung, die schon Staub fängt?

Zum Einen liegt es in der Natur des Menschen. Instinktiv sammeln wir Dinge, um auf Krisen vorbereitet zu sein. Aber: Heute leben wir zum ersten Mal in Zeiten des Überfluss. In reichen Ländern wie Deutschland und Österreich haben wir viel mehr, als wir je zum Leben brauchen könnten. Die Grundeinstellung „Ich muss sammeln für schlechte Zeiten“ ist aber noch in uns verankert und so müssen wir uns aktiv dafür entscheiden, dem entgegenzuhandeln.

Die 3 Typen der Ansammler

Natürlich spielt auch die Persönlichkeit eine große Rolle. Menschen, denen es schwerfällt, sich von materiellen Dingen zu trennen, gehören meist zu einer (oder mehrerer) dieser Gruppen, die Aufräum-Expertin Hideko Yamashita erklärt:

  • Die an der Vergangenheit festhalten

Diese Menschen können sich nicht von Dingen trennen, weil sie mit einer Erinnerung oder einem emotionalen Wert verbunden sind. Das Loslassen löst einen Trennungsschmerz aus. Oft steckt ein Festhalten an der „guten alten Zeit“ dahinter. Manchmal geht es unbewusst darum, dass man sich nicht mit der Gegenwart beschäftigen möchte.

  • Die sich vor der Zukunft fürchten

Weißt Du noch, wie zu Beginn der Corona-Zeit plötzlich das Klopapier in allen Supermärkten ausverkauft war? Da steckte diese Gruppe dahinter. Die Menschen dieses Typs „hamstern“ für die Zukunft – für Notsituationen, von denen sie gar nicht wissen, ob oder wann sie eintreffen. Ihre Bestände zu reduzieren löst Unsicherheit bei ihnen aus. Aber auch das Mantra „Das kann man bestimmt noch mal gebrauchen“ fällt in diese Kategorie.

  • Die vor der Wirklichkeit flüchten

Diese Menschen haben angeblich keine Zeit zum Aufräumen, da sie sehr beschäftigt und kaum zu Hause sind. Häufig kommt es vor, dass sie Probleme mit der Familie haben und sich deshalb vieles einfallen lassen, um nicht daheim sein zu müssen. Außerdem entsteht leicht ein Teufelskreis: Gerade weil das Haus so unordentlich ist, möchten sie gar nicht mehr dort sein.

Hast Du Dich in einem oder mehreren dieser Typen wiedererkannt? Das ist ein guter Ausgangspunkt, um Dir Deine persönliche „Blockade“, wenn es ums Aussortieren geht, bewusst zu machen. Das hilft dir, Deine Verhaltensmuster wahrzunehmen und Dich neu zu entscheiden.

Dan-Sha-Ri: Die Yoga-Philosophie des Aufräumens

Dan-Sha-Ri heißt die Aufräum-Methode von Hideko Yamashita. Es bedeutet, dass man durch Dan (Auswahl) und Sha (Loslassen) zum Ri gelangt. Ribedeutet, nicht emotional an materiellen Dingen zu haften. Sie nicht mehr zu brauchen, um sich gut zu fühlen. Sondern sich selbst zu verstehen und zu lieben und so echtes Glück zu empfinden.

 

Dan – Dinge, die neu zu Dir kommen, bewusst auswählen

Sha – Dinge loslassen, die nicht (mehr) zu Dir passen

Ri– Leben in Freiheit und Leichtigkeit, nicht mehr an Materiellem anhaften

 

Nichtanhaften? Genau, das ist ein Gedanke aus der Yoga-Philosophie. Hideko Yamashita lernte dieses Prinzip in ihrer Yoga-Schule kennen – und setzte es als Ziel ihrer Entrümplungs-Methode.

Entrümpeln für Emotionale nach der Dan-Sha-Ri Methode

Die Dan-Sha-Ri Methode kann für Menschen, die emotional an ihren Besitztümern anhaften, leichter sein als die KonMari Methode von Marie Kondo. Denn die Frage, die man sich im KonMari zum Aussortieren stellt - „Bringt mir dies Freude?“ - zielt stark auf Emotionen ab.

In der Dan-Sha-Ri Methode geht es etwas rationaler zu. Sie lenkt die Entscheidung, was gehen muss und was bleiben darf, weg von den Emotionen. Hier stellst Du Dir die Fragen:

  • Brauche ICH das wirklich?
  • Brauche ich es JETZT?

Die erste Frage zielt darauf ab, dass Du Dich in den Mittelpunkt stellst. Was magst und nutzt Du wirklich? Was passt zu dem Leben, das Du führen möchtest? Das Geschenk von der Freundin, das Dir eigentlich nicht gefällt, die Kleidung, die nicht mehr zu Dir passt, oder das feine Geschirr, obwohl Du es lieber rustikal magst – das darf alles gehen.

Die zweite Frage hilft Dir dabei, im Jetzt anzukommen. Wir haben ja gesehen, dass das Festhalten an Dingen oft daran liegt, dass wir entweder in der Vergangenheit oder der Zukunft leben. Indem Du Dich fragst: „Brauche ich das jetzt?“ machst Du Dich davon frei. Ob „jetzt“ in diesem Jahr oder in diesem Lebensabschnitt bedeutet, liegt in Deiner Interpretation.

Und so gehst Du vor:

  1. Fange an einem Ort an, der weniger emotional aufgeladen für Dich ist, zum Beispiel in der Küche oder im Büro. So trainierst Du Deinen „Entrümplungs-Muskel“.
  2. Nimm alles aus dem Schrank heraus und lege es auf einen Haufen. (Dieser Trick stammt aus der KonMari Methode.) Nimm jeden Gegenstand einzeln in die Hand und frage Dich „Brauche ICH das – JETZT?“
  3. Sortiere nur die Gegenstände, die bleiben dürfen, wieder ein. Alles andere muss nun gehen – und zwar wirklich gehen, nicht nur auf den Dachboden oder in den Keller.
  4. Bei allen neuen Anschaffungen: Frage dich, ob es Du es jetzt wirklich brauchst und besorge nur das Notwendige. Auch Geschenke darfst Du gewählt annehmen bzw. gleich aussortieren.
  5. Wiederhole die beiden Prinzipien „nur das besorgen und annehmen, was Du jetzt brauchst“ (Dan) und „alles andere wegwerfen oder abgeben“ (Sha) immer und immer wieder. So findest Du mit der Zeit Deinen idealen Zustand von Freiheit im Zuhause und Herzen (Ri).

Was gegen Herzschmerz beim Aussortieren hilft

  • Bedanke und verabschiede Dich bei den Gegenständen

Wenn es Dir wehtut, Dinge einfach „herzlos“ wegzuwerfen, hilft Dir dieses kleine Abschieds-Ritual, um Dich mit gutem Gefühl zu lösen. Halte den Gegenstand in der Hand und bedanke Dich für die gemeinsame Zeit oder für das, was der Gegenstand Dir ermöglicht oder symbolisiert hat. Dann verabschiede dich.

  • Visualisiere das Leben und die Wohnung, die Du Dir wünschst

Visualisierung hilft sehr, um Klarheit über seine Ziele zu finden und sie zu erreichen. Genauso beim Entrümpeln. Erstelle Dir ein Vision-Board von Deiner Traum-Wohnung oder male Dir aus, wie Dein Leben aussehen soll. Dann frage Dich beim Aussortieren: Passt dieser Gegenstand in Dein Wunsch-Bild? Falls nicht – darf er gehen.

  • Dinge verschenken oder verkaufen

Wenn das Gefühl aufkommt „das ist zu schade zum Wegwerfen“, kannst Du Deinen Gegenständen ein zweites Leben ermöglichen. Du kannst sie bei eBay und Co. verkaufen oder an Menschen weitergeben, die sie gut gebrauchen können. Sozialkaufhäuser freuen sich über Spenden aus Kleidung, Einrichtungsgegenständen, Küchenutensilien usw. Wenn Du weißt, dass Deine geliebten Gegenstände weiter gebraucht werden und jemand anderem eine Freude machen, fällt das Abschiednehmen gleich viel leichter.

Tipps zum Weiterlesen:

 

Ich wünsche Dir viel Freude beim Aussortieren!

Herzlich, Elena

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Elena Patzer (Redaktion)

Elena ist Texterin und Yogini mit ganzem Herzen. Meist trifft man sie in Indien oder Südost-Asien, wo sie das gute Leben genießt, Yoga übt und immer gerade in mindestens einem Kurs über Yoga, Heilung oder Kunsthandwerk steckt. Seit August 2020 leitet sie unseren Blog und unterstützt uns auch in anderen Text-Belangen.

Mehr von Elena lest Ihr hier: elenayoga.de/

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Kommentare 

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Sandrine

Danke für den schönen Beitrag

Verfasst am 04.11.2021 um 05:58

Sandrine

Ich habe mir angewöhnt, für jede neue Sache (Kleidung, Sportzeug, Haushaltskram,...) mindestens eine alte zu entsorgen/verschenken. Das hilft mir, nicht zu viel anzuhäufen und nicht an Altem festzuhalten.

Verfasst am 04.11.2021 um 08:46

Elena

Hallo Sandrine, das ist eine schöne Regel, dabei reflektiert man ja auch gleich, was man wirklich braucht und was nicht. :)

Verfasst am 04.11.2021 um 18:15

Anna

Ich versuche oft zu entrümpeln, aber der Beitrag hat mir nochmal einen neuen Anreiz und eine andere Perspektive gegeben! Ich versuche auch öfters auszumisten, bin aber der Meinung, dass ich viel zu viel habe, dass fällt mir besonders beim Umziehen auf.

Verfasst am 08.11.2021 um 10:22

Elena

Schön, dass dich der Artikel inspirieren konnte, liebe Anna! Ja, meist fällt uns erst auf, wie viel wir haben, wenn wir es mal aus den Schränken holen. ;)

Verfasst am 09.11.2021 um 13:07

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