Kinderyoga im Familienalltag: So könnt ihr eure Yogazeit gestalten
von Marie Narez Brana in Inspiration und Praxis

Du liebst deine Yoga-Praxis und möchtest sie auch gern an Deine Kinder weitergeben? Dann probiere mal Kinderyoga! Tipps und Ideen, wie Du die Yoga-Stunde mit Kindern gestalten kannst, gibt dir hier Kinderyoga-Lehrerin Marie Narez.

Einander auf Augenhöhe begegnen, in Kontakt bleiben und gemeinsam wertvolle Familienzeit erleben. Das wünschen sich die meisten Eltern für sich und ihre Kinder.

Wie kann Yoga den Familienalltag bereichern? Wie können die gemeinsamen Kinderyoga-Übungen in den Alltag eingeflochten werden? Und wie könnt ihr die gemeinsame Yogazeit mit Freude und ohne Druck gestalten? Dazu möchte ich euch in diesem Artikel einige Anregungen geben.

Kinderyoga ist eine Bereicherung für die ganze Familie

Wir alle wünschen uns mehr Gelassenheit im Alltag und freuen uns, wenn wir den inneren Kontakt und das Vertrauen unserer Kinder lange erhalten können. Wie einen zarten, zerbrechlichen Vogel tragen wir dieses Vertrauen, was uns unsere Kinder seit Beginn ihres Lebens entgegenbringen, durch den Alltag. Und wir versuchen jeden Tag, es nicht zu erschüttern und den Alltagsstress nicht bis dorthin vordringen zu lassen. Manchmal gelingt es uns, manchmal sind Druck und Alltagstrott stärker.

Gemeinsames Yoga-Üben in der Familie kann dieses Vertrauen und die Bindung zwischen den Familienmitgliedern bestärken. 

Diese kostbare, gemeinsame Yogazeit ermöglicht uns einen anderen Blick. Wir können unseren Kindern auf Augenhöhe begegnen und sie wahrnehmen, wie sie sind. Und auch Kindern wird ein Blick auf ihre Eltern gewährt, der Verstehen zulässt und ehrlichen Respekt erzeugt. Dadurch können Erfahrungen gesammelt werden, die Vertrautheit und Verständnis, Ruhe und Gelassenheit in den Familienalltag bringen.

Vorteile von Yoga für Kinder

Dass Yoga eine ganzheitlich stärkende Wirkung auf erwachsene Praktizierende hat, ist bekannt. Doch auch Kinder können von Yoga profitieren.

Körperlich und emotional gesehen bietet Kinderyoga einige Vorteile: 

  • Dem allgemeinen Bewegungsmangel wird spielerisch und mit Freude entgegengewirkt. 
  • Durch Übungen, die unsere Alltagsmuster durchbrechen, werden beide Hirnhälften miteinander verbunden und die Motorik intensiv gefördert. 
  • Muskeln werden aufgebaut.
  • Das Immunsystem wird gestärkt. 
  • Geistig und emotional werden viele Aspekte zum Klingen gebracht, die in einer modernen, leistungsorientierten Gesellschaft oft zu wenig betrachtet werden. 
  • Kindern gelingt es, ihre Emotionen bewusst wahrzunehmen und zu erfahren, dass jede davon eine Daseinsberechtigung hat. Sie sind nicht mehr Spielball ihrer Emotionen, sondern annehmende Betrachter. Emotionale Ausgeglichenheit und Selbstannahme sind die positiven Folgen.
  • Auch Kinder haben bereits Stress und Belastungen, denen sie täglich ausgesetzt sind. Die zauberhaften Yogageschichten, Entspannungsreisen und Meditationen für Kinder bilden einen Gegenpol zum Alltag und wirken entspannend und ausgleichend.

Eltern nehmen durch die gemeinsame Erfahrung dabei keinen beurteilenden, sondern unterstützenden und begleitenden Standpunkt ein.

 

Der richtige Zeitpunkt für Familienyoga

Einen „richtigen“ Zeitpunkt für den Einstieg in die Familien-Yogazeit gibt es nicht. Denn jeder Moment ist gut. Es ist aber förderlich, wenn Familienyoga nicht unter Zeitdruck stattfindet. Druck und Eile, Zugzwang und ein „Müssen“ können die gemeinsame Yogastunde schnell zu einem Termin werden lassen, der eher Stress als Entspannung bringt. Der eigentliche Zauber geht so schnell verloren.

Wie wäre es stattdessen mit einem Start am Sonntagmorgen? Meist haben hier alle Familienmitglieder Zeit und Muße, die Verpflichtungen der Woche ruhen zu lassen. Die gemeinsame Yogazeit am Sonntag bildet einen schönen Tagesstart und kann einen Familientag liebevoll einläuten.

Auch ein tägliches Abendritual ist eine gute Möglichkeit, Kinderyoga in den Alltag zu integrieren. Dabei habt ihr die Chance, den Tag gemeinsam zu reflektieren. Denn Gedanken und Emotionen, die im Tagesverlauf zur Seite gedrückt wurden, kommen oft abends an die Oberfläche. Hier können aufgekommene Fragen geklärt und Emotionen angesprochen werden. Kinderyoga bietet zudem die Möglichkeit, entspannt in die Schlafenszeit zu gehen und eine gesunde Schlafroutine zu entwickeln.

Der richtige Zeitpunkt ist also der, an dem eine Familie Zeit hat und die Ruhe findet, sich aufeinander einzulassen, sich gegenseitig zu erfahren und zu tragen. Auch eine bindende Terminierung der gemeinsamen Zeit ist denkbar, wenn es den individuellen Familienbräuchen entspricht, aber keineswegs notwendig. Beim Yoga steht das Einssein mit sich im Vordergrund - Leistung und Druck treten dahinter zurück. Wichtig ist, die gemeinsame Zeit mit Freude und Offenheit füreinander zu erleben.

Den Raum und das Material vorbereiten

Das wundervolle am Yoga ist, dass er immer und überall erlebbar ist. Materialien sind traditionell nicht notwendig. Aber es ist eine schöne Erfahrung, gemeinsam mit dem Kind die Yogazeit vorzubereiten. Ablenkende Elemente sollten aus dem Raum möglichst entfernt werden und Fernseher, sowie Handy für diese Zeit tabu sein.

Ein gemeinsames Zentrum kann mit Blumen und Dekoelementen gestaltet werden. Die beim letzten Spaziergang gesammelten Naturmaterialien werden liebevoll zu einer Mitte arrangiert. Und auch die gesammelten Schätze des letzten Urlaubs, wie Muscheln, Steine oder geschliffene Glasscherben, finden hier einen Platz. Kerzen oder ein bestimmter Raumduft verstärken die angenehme Atmosphäre zusätzlich. 

Mein Tipp: Lässt man den Kindern bei der Gestaltung Spielraum, bemerkt man oft eine faszinierende Fülle an schöngeistigen und kreativen Ideen.

Yoga an das Alter der Kinder anpassen

Im Yoga steht die Entwicklung einer gesunden Körperwahrnehmung im Vordergrund. Yoga ist daher nicht nur für Schulkinder ein Zugewinn. Auch Kindergartenkinder und sogar Kleinkinder haben Freude an der gemeinsamen Zeit. 

Gerade in den ersten 6 Lebensjahren entwickelt sich die kindliche Motorik, Körperwahrnehmung und Konstitution am intensivsten. In dieser Zeit sollte Kinderyoga sehr spielerisch sein und den Fokus darauf legen, sich auszuprobieren, die eigenen Grenzen zu erkunden und den Körper besser kennenzulernen. 

Ab einem Alter von ca. 6 Jahren kann Kinderyoga mehr Struktur erfahren. Die Konzentrationsspanne, aber auch die Fähigkeit zu komplexeren Bewegungsabläufen erhöht sich hier und erhält durch Kinderyoga eine enorme Förderung.

So könnt ihr eure gemeinsame Yogastunde gestalten

Wie die gemeinsame Yogazeit gestaltet wird, ist individuell. Der Fokus sollte immer auf der freudigen Umsetzung, ohne Druck, liegen. Dafür möchte ich euch ein paar Ideen für den Ablauf eurer Yogazeit mitgeben.

 

Der Einstieg

Bewährt hat sich für den Einstieg, mit einer kleinen Achtsamkeitsübung oder einem Wahrnehmungsspiel zu starten. Ziel ist es hier, den Weg aus dem Alltag zu finden und bei sich anzukommen. Das Spiel Edelsteingeflüster ist wunderbar dazu geeignet.

Das Achtsamkeitsspiel „Edelsteingeflüster“

Hier kann sich jedes Familienmitglied aus einer Schale voller Edelsteine den Stein aussuchen, der momentan besonders ansprechend ist. Der Stein wird nun befühlt: Die Oberfläche, kleine Einkerbungen und wie der Stein langsam die Körperwärme annimmt, sind wunderbare, taktile Erfahrungen. Anschließend darf jeder, still für sich, seinem Stein etwas erzählen. Dabei liegt der Fokus auf dem Moment, der heute besonders schön war. 

Der Sinn dahinter ist klar: Jeder Tag birgt einen Sonnenstrahl. Auch in Momenten, in denen alles grau und trist erscheint und der Tag völlig vermurkst war, gibt es immer einen kleinen Moment, der schön ist und uns ein Lächeln zaubert. Diesen zu finden ist die Kunst - nicht nur für diese Übung.

 

Auch der Sonnengruß eignet sich wunderbar für den Einstieg in die gemeinsame Yogazeit. Dazu finden sich liebevolle, kindgerechte Vertonungen, so wie dieses Lied von Mai Cocopelli. Ich finde es sehr schön, vor allem für jüngere Kinder. Mein Sohn liebt es!

Im Jugendyoga und mit den älteren Kindern verwende ich für den Sonnengruß ein Lied von MC Yogi. Das hat hat ein schönes Tempo und man findet sich gut ein. Auch die Länge ist genau richtig für zwei komplette Durchgänge.

Der Hauptteil

Erwärmende Übungen wie Katze-Kuh, der Kamelritt oder die Side-Twists sollten am Anfang einer jeden Yogazeit stehen.

Anschließend werden Asanas in Geschichten „verpackt“. Dazu kannst Du Dir das Lieblingsbuch Deines Kindes zur Hand nehmen und die Geschichte mit Asanas nacherzählen. Oder Du lässt deiner Kreativität freien Lauf und erfindest eine Geschichte über Piraten, Prinzessinnen, Einhörner, Zauberwälder, Drachenhöhlen, Ritterburgen - worauf Du Lust hast.

Bewegungen, Tiere und Fabelwesen werden dabei mit Asanas dargestellt. Zum Beispiel: Der herabschauende Hund kann ein Gebirge, ein Zelt oder eine Zuckertüte sein. Der Schulterstand ist eine Palme, ein Zauberturm, ein Pilz. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Wie Du mit einem Kinderbuch eine Yogasequenz anleiten kannst, siehst Du zum Beispiel in diesem Video:

Auch Partnerübungen gemeinsam mit dem Kind sind wunderbar. Hier werden gegenseitiges Vertrauen, Kontakt zueinander und Rücksichtnahme direkt angesprochen. Wie wäre es mit einer Pyramide aus herabschauenden Hunden - der größte ganz oben und die kleinen darunter? Oder Ihr helft euch gegenseitig bei Balance-Haltungen? Vielleicht habt Ihr Lust, einfache Acro-Yoga-Übungen auszuprobieren?

Genauso schön sind ruhige und entspannende Übungen. Voll Vertrauen begibt sich der Eine in die Hand des Anderen, fühlt der Atmung nach und sein Herz schlagen. Halten und loslassen werden so gleichsam gefördert.

Mehr Tipps zur Anleitung der Yogazeit findet Ihr weiter unten am Ende des Artikels.

Der Abschluss

Nach der Yoga-Geschichte wird es Zeit für eine Tiefenentspannung. Vielleicht möchtet Ihr diese instrumental begleiten: Koshis, Klangschalen, Stahlzungentrommeln, Zimbeln und Kalimbas tragen mit ihren Klängen wunderbar zu einer tiefen Entspannung bei. Ähnlich wie im Autogenen Training vertiefen ruhige Geschichten die Entspannung von Eltern und Kindern.

Auch gegenseitige Massagen oder das Lauschen des Herzschlags sind geeignete Methoden, Entspannung herbeizuführen. Kleine Atemmeditationen oder Meditationsgeschichten sprechen besonders ältere Kinder an. 

Und nicht nur Eltern können diese Zeit gestalten. Oft sind die Kinder besonders stolz, wenn sie mit einer Massagegeschichte oder einer Klangerzählung ihre Eltern entspannen.

Es gibt auch schöne Videos, die Du zum Abschluss abspielen kannst. Bei älteren Kindern und Jugendlichen kann es auch ein gesungenes Mantra sein. Schaut einfach, was Euch gut gefällt.

 

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Yogazeit ist eure Zeit - mit dem Kinderyoga wachst auch ihr als Familie

Jede Familie folgt einem eigenen Rhythmus. Interessen, Ideen, der innere Fokus, der Umgang miteinander und damit auch die Yogazeit in der Familie, sind absolut individuell. 

Je öfter eine Familie zusammen Yoga praktiziert, desto selbstverständlicher wird es. Immer mehr Ideen und Impulse werden entstehen. 

Eine eigene Yoga-Routine entwickelt sich. Und während die Mitglieder einer Familie aneinander wachsen, wächst auch das Familienyoga.

Betrachtet man Yoga als das, was es ist - ein Weg zu sich selbst und damit zu dem Anderen - sind dieser wertvollen Familienzeit keine Grenzen gesetzt. Es ist ein Abenteuer, bei dem jeder gewinnt.

Hier findet ihr mehr Inspiration fürs Kinderyoga zuhause

Möchtest Du mehr Ideen fürs Yoga mit deinen Kindern zuhause? Dann kann ich Dir diese Helfer empfehlen:

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren!

Marie Narez

 

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Marie Narez Brana

Als Kundalini Yogaleherin, Ernährungsberaterin, Burnoutberaterin und ganzheitlicher Coach betreibt Marie eine Praxis für ganzheitliche Gesundheit in Wittenberg. Ihr Kundalini Yogazentrum ist ein Ort, an dem Yoga für jedes Lebensalter erfahrbar wird.

Dies und ein breites Online-Angebot sowie Seminare und Retreats findest Du auf ihrer Website: www.wb-medio.de

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