Musik im Yogaunterricht – worauf YogalehrerInnen achten sollten
von Ivo Vossen in Praxis

Unser Gastautor Ivo Ole Vossen verrät YogalehrerInnen und -praktizierenden, wie Musik beim Yoga schön und unterstützend eingesetzt wird.

Wir fanden in einer Umfrage unter den YogaMeHome-Mitgliedern heraus, dass circa die Hälfte aller Yogalehrer mit Musik unterrichtet und die Hälfte es vorzieht, ihre Kurse nicht von Liedern begleiten zu lassen. Nicht selten liegt das daran, dass die Auswahl des Musikstils und das Zusammenstellen von passenden Playlists überfordert und die erforderliche Technik nicht zur Verfügung steht. Ich möchte dir hier eine kleine Orientierungshilfe geben.

Welche Yoga-Stile spielen Musik im Hintergrund?

Moderne Yogakonzepte wie Inside Flow, Jivamukti oder auch andere setzen bewusst auf den Einsatz moderner Musik mit tiefgründigen Texten und eingängigen Melodien. Durch die Synchronisation von Atem und Bewegung zum Takt der Melodie soll das Eintauchen in den Moment ermöglicht werden. Zeitgenössische Musik wirkt zudem zugänglicher und weniger fremd auf Yoganeulinge als traditionelle Mantras oder spirituelle Klänge.

Im jungen Yogastil Embodied Flow kommt eine musikalische Untermalung ebenfalls zum Einsatz, allerdings wird hier nicht auf moderne Musik mit Gesang gesetzt, sondern durch verschiedene Stile, Rhythmen und Klänge werden Stimmungen erzeugt, die das jeweilige Thema der Stunde unterstreichen und unterstützen. Meist sind das Lieder mit geringem Wiedererkennungswert – ohne viel Text und die typischen Strukturen eines modernen Liedes wie Vers, Refrain, Bridge, etc.

Während beim Ashtanga Yoga keine Musik gespielt wird, bleibt es bei Hatha- oder Vinyasa-Kursen meist der Präferenz des Yogalehrers überlassen, ob und wie er sie einsetzen möchte.

Musik im Yogaunterricht – die häufigsten Fehler

Die wohl größte Herausforderung bei der Praxis mit Musik ist die dadurch entstehende Ablenkung. Man erkennt einen Songtext wieder und beginnt im Kopf mitzusingen oder ein mitreißender Hip Hop-Beat erklingt – schon ist die Aufmerksamkeit nicht mehr beim Atem und dem eigenen Körper. Die Verletzungsgefahr steigt und die Wirkung des bewussten Praktizierens entfällt. Typische Songstrukturen, wie es sie in der modernen Popmusik gibt, erkennt das Gehirn sofort und lenkt durch Assoziationen und Erwartungen von den Asanas ab. Wusstest du außerdem, dass das Gehirn sich erst ab einer Tracklänge von vier Minuten wirklich auf das Lied einlassen kann?
Doch auch für den Yogalehrer ist eine musikalische Untermalung eine Quelle der möglichen Ablenkung. Die Lautstärke ist unpassend, das Handy hat das falsche Lied abgespielt, die Playlist entspricht doch nicht der aktuellen Stimmung im Raum oder die Bluetooth-Verbindung bricht ab – musikalische Begleitung will geübt und wohl vorbereitet sein.

Wird die Asana-Praxis musikalisch untermalt, dann ist es für Yogaschüler tatsächlich eine Herausforderung, Geist und Seele in Einklang zu bringen.

Lenke dein Bewusstsein durch den Einsatz von Gehirnwellen

Als Soundkünstler und Toningenieur rate ich daher stattdessen zu Musik, die deine Gehirnwellen so beeinflusst, dass ein für die Yogapraxis förderlicher Zustand leichter erreicht werden kann.

Je nach Bewusstseinszustand sendet unser Gehirn unterschiedliche Frequenzen aus, die wir im Laufe eines Tages durchlaufen. So hat unser Gehirn für jede Tagesanforderung eigene Gehirnwellenmuster, die man mit einem EEG messen kann:

  • Delta Wellen 0.5 - 4 HZ (Unbewusstsein / Radar)
  • Theta Wellen 4 - 8 HZ (Unterbewusstsein)
  • Alpha Wellen 8 - 12 HZ (Imagination)
  • Beta Wellen 12 - 38 HZ (kognitives Denken)
  • Gamma Wellen 38 - 42 HZ (bisher unerforscht - wird Altruismus, universeller Liebe und „höheren Werten“ zugesprochen)

Mit speziell produzierter Musik können wir bestimmte Gehirnwellen stimulieren und dadurch neue Neuronenverbindungen erzeugen, die uns in den gewünschten Bewusstseinszustand des typischen Yogaflows bringen, einer tiefen Konzentration, in der wir alles um uns herum vergessen und mit der vollen Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt auf der Matte sind. Genau dieser Zustand ist es, der für Yogapraktizierende das Wertvollste an der Stunde auf der Matte ist. Sorgen und Ängste werden für eine Zeit vergessen und die tiefe Konzentration ermöglicht ein vollkommenes Bei-sich-sein. Wenn dich Musik zur Gehirnwellenstimulation interessiert, kannst du hier ein Interview mit mir lesen, in dem ich genauer erzähle, wie wir gehirnwellenaktivierende Soundbäder nutzen können.

Kostenlose Playlists für deinen Yogaunterricht

Speziell für deinen Yogaunterricht habe ich Playlists zusammengestellt, die du auf Spotify und anderen Streamingdiensten abspielen und für deine Kurse nutzen kannst. Du findest sie sortiert nach Kategorien wie Musik zur Meditation, für Yoga oder zum Entspannen und Focus at Work:

Kostenlose Playlists für deinen Yogaunterricht

Diese Playlists arbeiten exakt den Ansprüchen von Yogalehrern für eine gelungene Begleitung des Unterrichts zu und stehen in Kurslänge zur Verfügung, sodass man zwischendrin keine Tracks wechseln oder die Lautstärke regulieren muss. Ich werde auf Wunsch immer wieder neue Playlists hinzufügen.

Wenn du die Lieder nicht für den Yogaunterricht benötigst, sondern sie gerne selber als Chill out genießen möchtest, dann hör dich doch gern mal durch meine Soundbäder hier auf YogaMeHome durch. Das sind insgesamt 7 Stück, die im Rahmen des Chakra-Online-Kurses von Elena Lustig entstanden sind. Jedes Soundbad "bespielt" also eines der sieben Chakren. Mit einem Klick auf das Bild gelangst du direkt zum ersten komponierten Stück:

Lieber traditionell? Probiere Mantras!

Natürlich kannst du auch auf traditionelle Musik und Mantras zurückgreifen. Da Mantras sich immer wiederholende Textzeilen sind, rate ich dir, sie nur an bestimmten Stellen in der Stunde einzubauen, wo nicht die volle Aufmerksamkeit der Schüler auf fordernde Asanas gerichtet sein soll. Du kannst sie zum Beispiel am Anfag der Stunde in der Meditation abspielen oder am Ende im Savasana. Mantras sind eine tolle Möglichkeit, die Schüler an traditionelle Lehren der Yogaphilosophie und an spirituelle Musik heranzuführen. Auf gängigen Streamingplattformen findest du eine breite Auswahl an tollen Künstlern, hier einige meiner Lieblingsalben und -playlists:

Das Soundsystem – ein paar Hardfacts zur Hardware

Hier ein paar Anhaltspunkte, worauf Yogalehrer bei der verwendeten Technik im Raum achten sollten:

  1. Teuer heißt zwar nicht automatisch gut. Aber in der preislichen Mittelklasse solltest du dich definitiv aufhalten, wenn du dir neues Equipment anschaffst.
     
  2. Achte auf die richtige Position der Lautsprecher. Der Schall sollte alle im Raum gleichmäßig erreichen und die Lautsprecher sollten über Kopfhöhe angebracht sein.
     
  3. Wenn möglich, nutze einen zusätzlichen Subbass, der stimulierend auf Körperzellen wirkt. Diese tieffrequenten Vibrationen sind nicht für die Ohren hörbar, aber auch für den Körper zu spüren.
     
  4. Im Tonstudio produzierte Musik enthält oft subtile Techniken, die auf Stereofonie basieren. Stelle deswegen sicher, dass du Stereo benutzt, das bedeutet, zwei oder mehr Schallquellen zu haben um einen räumlichen Schalleindruck zu erzeugen. Das ist auch mit zwei im Stereomodus gekoppelten portablen Bluetooth Speakern möglich. Für komplexe Soundbäder, die Körper und Zellen anregen sollen, gibt es kräftige 15“ Lautsprecher.

Das 1x1 der Raumakustik

Ein Raum mit guter Akustik wirkt beruhigend und intim. Kahle Wände können zwar ästhetisch ansprechend sein, lassen den Raum aber sehr laut und womöglich hallend wirken. Vor allem in großen Räumen mit kahlen, parallelen Wänden wirst du schlechter verstanden und die Musik kann im Ohr dröhnen. Vorhänge bewirken Wunder!

Vor dem Unterricht: Lizenziere deine Musikwiedergabe

Da es sich bei einem Yoga-Studio um einen öffentlichen Ort handelt, musst du als Yogalehrer die Musiknutzung im Vorfeld anmelden. Um es klar zu sagen: Wenn du Musik im Yogastudio abspielen möchtest, musst du, genau wie zum Beispiel eine Bar auch, Gebühren an die GEMA, AKM oder SUISA bezahlen. Diese Organisationen lassen den Künstlern einen Teil davon zukommen. Wir wissen, dass viele Yogastudios das nicht machen. Es sei hier aber gesagt – und im Sinne von Fairness gegenüber den Künstler*innen – raten wir auch dringend dazu. Die Kosten richten sich nach der Anzahl der Teilnehmer in einem Yoga-Kurs. Informationen dazu findest du unter den folgenden Links:

Wenn du Fragen hast, besuche meine Website und melde dich gerne bei mir: resonancespace

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Ivo Vossen

Komponist von Meditations-Musik

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