Wieder mehr Gefühle fühlen – mit Yoga
von Margit Alt in Praxis

Kannst du deine tiefsten Gefühle fühlen und annehmen? Für viele ist das eine große Herausforderung. Oft wollen wir ja unsere Gefühle gar nicht an uns heranlassen. Aber wer nicht fühlt, der lebt nur halb. Mit Yoga kannst du dich deinen Gefühlen allerdings schnell wieder nähern, hier zeige ich dir wie.

Wie geht es dir in dieser sehr besonderen Zeit? Genießt du die Ruhe, die Freiheit, keine (oder wenig) Verpflichtungen und Termine zu haben, hast du dich schon daran gewöhnt, im Schlafanzug zu arbeiten? Oder beginnt es langsam zu brodeln? Merkst du, dass du immer mal wieder dunkle Tage hast, dass Gefühle auftauchen, die dich ein bisschen aus der Spur bringen, dich vielleicht sogar hin und wieder überwältigen?

Relax!

Du bist damit nicht allein. Ich möchte dir hier zeigen,  wie du mit Yoga wieder in intensiven Kontakt mit deinen guten Gefühlen in Kontakt kommen kannst.

Intensive Zeiten – dunkle Gefühle

Gerade in der momentanen Zeit, da gewohnte Strukturen, alltägliche Gewohnheiten, kurzum alles, was uns Sicherheit und Verlässlichkeit gibt, zusammenbricht, drängen bei vielen Menschen die dunklen und schmerzhaften Emotionen ans Licht. Es wird uns viel Aktivität genommen, unser Bewegungsraum schränkt sich stark ein, wir haben sehr viel mehr Zeit als früher.

Damit wird das Ausweichen schwieriger. Und das ist gut so! Ich möchte dich einladen, richtig zu fühlen.

Lerne die ganze Fülle, die wunderbare Vielfältigkeit deiner Gefühle kennen, komm in Kontakt mit all deinen Empfindungen!

Wenn wir es schaffen, in dieser krisenhaften Zeit unseres Lebens das Fühlen wieder zu lernen, dann hatte diese Zeit etwas wirklich Gutes. Für deine Lebendigkeit, für ein schöpferisches Dasein, das es dir erlaubt, dein ganzes Potenzial zu leben, aber mehr noch für deine seelische Gesundheit ist es wichtig, wirklich zu fühlen.

Allen Gefühlen Raum zu geben bedeutet, dass du authentisch und wahrhaftig bist, es bedeutet, dass du ganz bist. Nach innen zu lauschen, und Verbundenheit mit dir selbst zu kreieren, ist die Grundlage für einen achtsamen Umgang mit deiner Seele.

 

And you?

When will you begin that long journey into yourself?

Rumi

Zur bunten Klaviatur deiner Seele gehören schöne, warme, weiche, angenehme Gefühle. Du fühlst aber genauso auch Schmerz, Überforderung, Traurigkeit, Angst, Wut, Erschöpfung und Zweifel.

Möglicherweise ist das vorherrschende Gefühl dieser Tage die Einsamkeit und das Alleinsein. Zu verstehen, dass uns all diese Gefühle – die hellen wie die dunklen, die freudvollen wie die schmerzhaften in unsere eigentliche Fülle und Vollkommenheit bringen, ist ein unglaublich wichtiger Schritt in unserer Entwicklung.

Darum: Heiße deine Gefühle willkommen, umarme sie alle!

Warum dein Fühlen so bedeutsam ist

Gefühlen ausweichen, sie möglichst schnell wieder loswerden zu wollen, gerade wenn es schmerzhafte Gefühle sind, ist ganz normal und natürlich. Was aber geschieht, wenn du dich allzu schnell abwendest von deinen Empfindungen?

Sie sind immer noch da. Sie brodeln im Untergrund, entwickeln dort ein Eigenleben, dehnen sich nach innen aus.

All das trägst du mit dir, auch wenn du vielleicht nicht bewusst spürst, was genau da eigentlich ist. Dieses permanente Mittragen von diffusen, nicht gesehenen, nicht gefühlten und nicht integrierten Gefühlen macht in dir dauerhaft und nachhaltig Anspannung, Angst und Stress.

Aber deine „dunklen“ Gefühle sind unglaublich wertvoll.

Sie ebnen in dir den Weg zu Entwicklung und Wachstum. Krisen stoßen immer Veränderungen an, die bereit sind, getan zu werden und sehr heilsam sind. Ein offener und annehmender Umgang mit deinem Fühlen macht dich souverän und frei, denn wenn alles integriert ist, wenn du alle deine Gefühle als Wegbegleiter und wohlmeinende Freunde erkennst, kannst du auch wählen, welchen du Raum geben magst und welchen nicht.

Die Yogapraxis der liebevollen Akzeptanz

Wie aber können wir es schaffen, mit Schmerz, Trauer, Angst, Einsamkeit und Überforderung umzugehen? Was, wenn uns all das überwältigt?

Der Weg des Yoga bietet uns eine wunderbare Möglichkeit, einen heilsamen und achtsamen Umgang damit zu finden. Allein dadurch, dass du regelmäßig (am besten täglich) auf deine Matte gehst, wird es dir das Gefühl eines vertrauten Rituals und damit mehr Sicherheit und Stabilität schenken. Der Ort, an dem du praktizierst, kann in diesen Tagen Zuflucht und Trost für dich sein.

 

Um mit deinen Gefühlen in Kontakt zu kommen,  brauchst du eine Yogapraxis, die dir Raum gibt, mit deinen Empfindungen zu sein.

Gerade in schwierigen Zeiten und dunkleren Tagen sehnst du dich vielleicht nach einem geschützten Raum, der dein Vertrauen unterstützt, dich so zeigen zu dürfen, wie du bist und mit allem, was du mitbringst.

Ich nenne das die Praxis der liebevollen Akzeptanz. Deine Emotionen wahrzunehmen, sie eine Weile zuzulassen und auszuhalten, bietet einen sinnvollen und heilsamen Weg, denn nur so kannst du spüren, was du brauchst. Eine sanfte, achtsame Asanapraxis hilft dir, in einen Zustand zu kommen, der einer leeren Schale gleicht:

Du wirst präsent, die Körpersinne sind geweckt, gleichzeitig erlebst du ein Loslassen auf allen Ebenen.

Dadurch bist du offen für tiefer gehende Erfahrungen. Die Praxis der liebevollen Akzeptanz schafft dir einen Zugang zu deiner Verletzlichkeit. Verletzlich zu sein, dich zu spüren und alles zu fühlen, was gefühlt werden will, legt großes Potential frei, und darum geht es letztendlich: im Weg des Yoga und der Meditation kannst du Schritt für Schritt deine eigenen Ressourcen entdecken und finden, was dich wirklich hält und trägt.

Mit Yoga Gefühle wieder fühlen

Geeignete Herangehensweisen sind hier vor allem die restorativen und achtsamen Yogastile, wie zum Beispiel der Weg des Viniyoga nach Sri T. Krishnamacharya oder Yin Yoga. Der Viniyoga erlaubt sich, jedes Asana zu modifizieren, weich zu machen, ohne die Essenz der Haltung zu verlieren. Dieser Weg birgt große Freiheit.

Du übst deinen eigenen Fähigkeiten, deinen Bedürfnissen und Grenzen angemessen und bekommst immer das Feedback: Du bist genug!

Damit belebt diese Herangehensweise die ganz ursprüngliche Idee von Yoga. Im Yogasutra III.6 heißt es:

"Tasya bhumisu viniyogah"

 "Die Yogapraxis muss angemessen und schrittweise gelehrt werden". 

Also, kein schnelles Hineinrumpeln in die Haltung, keine Hektik, keine Fitness. Eine Yogastunde in der Tradition von Krishnamacharya beinhaltet fein durchdachte, sinnvolle Sequenzen, Pranayama, Meditation und Vedic Chanting, sowie das Rezitieren von Mantren.

Yin Yoga ist ein passiver, regenerativer und vollkommen entschleunigter Yogastil. Die Asanas werden lange gehalten. Geübt wird sitzend und liegend. Die Grundidee des Yin Yoga ist Loslassen, Entspannung und Weichheit. Die Herangehensweise ist zutiefst friedvoll, mild und einfühlsam.

Eine Yin Yoga Sequenz ist wie warmes weiches Nest, in das du dich fallenlassen darfst. Damit bietet dieser Weg die allerbesten Voraussetzungen, um ins Spüren zu kommen. Gehalten in dir selbst kannst du erlauben, auch dunklen Gefühlen Raum zu geben. Für welchen Weg auch immer du dich entscheidest, was auch immer für dich am besten funktioniert – geh auf deine Matte und praktiziere!

Zu Beginn mag sich das Üben sperrig und anstrengend anfühlen. Gerade wenn du erschöpft und traurig bist, bedarf es zuweilen einige Überwindung, um mit der Praxis zu beginnen. Dennoch lohnt es sich. Gib deiner Praxis Zeit und übe regelmäßig, damit sie sich entfalten kann.

Ich wünsche dir viele schöne Impulse, kostbare Erfahrungen und intensive Momente mit dir selbst!

Genieße hier noch eine 10minütige Meditation. In dieser Körpersinnesübung wirst du in dir einen Ort finden, an dem du vollkommen gehalten und verbunden bist, so dass du wie aus einem sicheren Hafen heraus,  allen Gefühlen Raum geben kannst.

ENJOY!!

Deine Margit

Deinen inneren Anker finden - Meditation 10 Min.

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Margit Alt

Margit ist mit Yoga tief verbunden seit ihrer Kindheit. Seit 2009 ist sie Yogalehrerin in der Tradition von Sri T. Krishnamacharya. Außerdem ist sie Sozialpädagogin, Meditationsleiterin und Entspannungspädagogin. Sie führt ein kleines Yogastudio in München. Ihr Unterricht ist einfühlsam, kreativ, individuell und völlig undogmatisch.

In ihren Yogaklassen möchte sie einen Raum schaffen, in dem du dich spielerisch im Rahmen deiner individuellen Möglichkeiten bewegen kannst. Einen Raum, in dem du ohne Zwang Grenzen überwinden und innerlich wachsen kannst. Mehr über Margit erfährst du auf Ihrer Website Lovelyspirit. 

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