Wie uns Yoga aus der Komfortzone lockt - und hinein ins Wachstum
von Marlene Eichhorn in Inspiration

Bungee-Jumping brauchst Du nicht gleich buchen. Wie Du Dich mit Yoga subtil aus Deiner Komfortzone bewegen und dabei persönlich wachsen kannst, erfährst Du hier.

Komfortzonen – unsere Wohlfühloasen im Leben

Komfort ist heutzutage in aller Munde. Gleichsetzen kannst Du es mit Gemütlichkeit oder Zufriedenheit. Du schaffst Dir in Deinem Leben automatisch immer Komfortzonen – und das ist auch richtig so. Die Komfortzonen Deines Lebens sind die Bereiche, in denen Du Dich wohl und sicher fühlst. 

Oft sind sie Routinen geworden: Der gewohnte Weg zur Arbeit, das wöchentliche Schwimmen gehen, der typische Filmabend am Sonntag. Es sind Handlungen, die Du nicht hinterfragst, die automatisch ablaufen. Hier denkst Du nicht groß nach – die Routine gibt Dir Sicherheit und Du entspannst dich. 

Komfortzonen haben ihre guten Seiten - Sie können tägliche Anker für neue Energie sein zum Beispiel. Aber was Du in der Komfortzone weit und breit suchen kannst, ist: Veränderung, Wachstum und Neues.

Denn solange Du Dich in dem Dir Bekannten bewegst, wirst Du auch kaum neue Eindrücke und Inspirationen bekommen - geschweige denn Neues über Dich kennenlernen.

Sich in der Komfortzone zu befinden, kann sich ziemlich zwiegespalten anfühlen: Du willst etwas verändern. Du verspürst den Drang nach einem Wandel, nach etwas Neuem, aber – es ist dort gemütlich, einfach und sicher, deshalb bleibst Du auch gerne dort.

Und so passiert es nicht selten, dass sich keine Veränderung einstellt und alles so bleibt, wie es eben ist.

Die Gemütlichkeit siegt und damit einhergeht oft die wiederkehrende Sehnsucht nach Veränderung.

Yoga als Mittel für Veränderungsprozesse

Und hier kommt Yoga ins Spiel. Yoga ist für mich ein tägliches Mittel mich aus der Komfortzone zu begeben. Und das meine ich nicht nur damit, dass ich meinen inneren Schweinehund überwinde und mich auf die Yogamatte stelle, obwohl es im Bett doch so gemütlich ist. Nein, mein Verständnis der Komfortzone geht hier weiter.

Als Grundlage hilft mir Yoga, meinen Körper zu spüren und ein Gefühl dafür zu bekommen, wann ich mich wohlfühle, welche Übungen ich gerne mache, welcher Yoga-Stil sich in dem Moment richtig anfühlt. Wenn ich weiß, wo meine Basis ist, kann ich auch wissen, wann ich individuelle Grenzen überschreite.

Veränderung findet nicht in der Komfortzone statt

Ich kann jeden Tag meine Lieblings-Asanas machen und werde mich mit Sicherheit fabelhaft danach fühlen. Doch irgendwann werden sich die Übungen automatisieren und es entwickelt sich daraus eine Routine. Routinen sind toll und effektiv, wenn es darum geht bestimmte Verhaltensmuster in unseren Alltag zu integrieren. Sie geben mir Sicherheit und unterstützen mich in meinem Alltag – sie werden Bestandteil der Komfortzone.

Aber genau hier kommt der Knackpunkt: Veränderung findet nicht in der Komfortzone statt. Neue Erkenntnisse über dich, ein Wandel in Deinem Sein wirst Du nicht erfahren, wenn Du es Dir immer nur bequem machst.

Sind es nicht meistens die unangenehmen Phasen in unserem Leben, in denen wir uns weiter entwickeln? In denen wir Neues dazu lernen? In denen wir wortwörtlich über uns hinauswachsen?

Das Drei-Zonen-Modell

Angelehnt an das Drei-Zonen-Modell ist die Komfortzone für einen Veränderungsprozess Gift. Denn Veränderung und Wachstum findet nur statt, wenn Du Dich in einer Lernzone bzw. Wachstumszone befindest. Neue Erkenntnisse über Dich erfährst Du also immer dann, wenn Du Dich aus Deiner Komfortzone begibst. 

Im Gegensatz dazu wirst Du auf Widerstand stoßen, wenn Du Dich in die Gefahren- oder auch Panikzone begibst. Die Panikzone steht für Stress. Hier wird der Mechanismus Fight oder Flight aktiviert. Der Fluchtmechanismus macht ein Wachsen und Lernen unmöglich. Wenn neue Situationen in Überforderung enden, kannst Du keine Veränderungsprozesse anstoßen. Ungewohntes schlussfolgert der eigene Körper schnell als Herausforderung oder Problem. 

Ein erfolgreiches Wachstum kann dann entstehen, wenn ein sicherer Rahmen gegeben ist und Du Dich darin über Deine subjektiven Grenzen hinaus bewegt und das Unbekannte zulässt.

4 Wege, wie Du mit Yoga in Deine Wachstumszone trittst

„Yoga is the Journey of the self, through the self, to the self“
- Baghavad Gita

Ich bin fest der Meinung, dass Veränderung nicht im Außen entsteht. Veränderungsprozesse beginnen immer in dir, es gibt dabei keinen Umweg, den Du gehen kannst. Wie kommst Du also in den Prozess der Veränderung in Deiner Yogapraxis?

1. Die Komfortzone Deines Körpers kennenlernen und ein Bewusstsein für Deinen Körper entwickeln.

Yoga ist meiner Meinung nach einer der schönsten Wege, mit seinem eigenen Körper in Kontakt zu treten und ein Körperbewusstsein zu entwickeln. Also sich seinem eigenen Körper bewusst zu werden. 

2. Dich aus der Komfortzone in die Wachstumszone begeben.

Du kannst Dich auf ganz unterschiedliche Weise aus Deiner routinierten Yogapraxis begeben. Im großen Ganzen geht es darum, sich dem Wesensfremden anzunähern. Für die einen heißt das, eine Stellung auch mal länger zu halten als gewohnt, oder einen süßen Dehnungsschmerz zu spüren. Vielleicht bedeutet es aber auch für dich, aus bekannten Stellungen auszubrechen und Deine eigenen Variationen einzubringen, in denen Du in fließende oder tänzerische Bewegungen kommst.

Indem Du das Gegenteil von dem machst, was Du „normalerweise“ tust, bewegst Du Dich schon ganz automatisch aus Deiner Komfortzone.

3. Zulassen, was in diesem Moment Raum braucht, und annehmen, was ist.

Von der Komfortzone kommst Du in die Wachstumszone. Hier begegnen Dir auf emotionaler aber auch auf physischer Ebene Herausforderungen. Verspannungen oder eventuell unangenehme Gefühle, Überzeugungen und Schattenseiten Deines Seins treten an die Oberfläche.

Lass alles zu, was kommt. Vielleicht lösen sich unangenehme Gefühle auch schon auf, in dem Du ihnen Raum gibst, indem Du ihnen einen Ausdruck gibst. Lass es ganz einfach zu.

4. Subjektive Grenzen überschreiten und wachsen.

Ein Wachstum findet nie in der Komfortzone statt. Es sind die Herausforderungen und eine Risikobereitschaft, die uns unseren eigenen Körper in neuen Situationen wahrnehmen lassen.

Eine eigene Überzeugung von „Ich bin nicht stark genug“ kann in das Gegenteil verkörpert werden, wenn wir in einer kraftvollen Übung noch einige Sekunden länger ausharren. Durch eine Wahrnehmung von Verspannung kommen vielleicht Emotionen ans Licht, denen Du lange keine Aufmerksamkeit geschenkt hast. Durch tiefe Atmung in Dehnungen lösen sich Blockaden auf körperlicher und emotionaler Ebene.  Durch einen achtsamen Umgang mit allem, was kommt, kannst Du hier alte „Muster“ auflösen und Dich in einem neuen Licht erleben.

Finde Deinen individuellen Weg zu Veränderung und Wachstum

Denk immer daran: Veränderung ist individuell, denn Du bist einzigartig. Für Dich ist es vielleicht eine Herausforderung, die Planke länger zu halten, für jemand anderen ist es das Kreisen der Hüften und fließende Bewegungen in der Yogapraxis, das sich ungewohnt anfühlt. Nur Du kannst wirklich wissen, wann Du Dich in Deiner Komfortzone befindest und wann Du Deine subjektiven Grenzen überschreitest. 

Natürlich können wir uns auch entscheiden in der Komfortzone auszuharren und uns gegen eine persönliche Weiterentwicklung entscheiden. Ich will Dich aber ermutigen, den inneren Widerstand zu überwinden, und es ausprobieren, dem wesensfremden einmal Platz zu geben. Und somit auch Deinem eigenen Wachstum einen Raum zu schaffen.

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Marlene Eichhorn

Marlene ist Langzeit-Yogini, leidenschaftliche Tänzerin, körperorientierter Coach und Weltenbummlerin. Auf ihren Reisen ist ihr eines bewusst geworden: dass sie sich in ihrem Körper zu Hause fühlen kann. Der eigene Körper trägt alle Weisheiten in sich. Dieses Gefühl möchte sie weitergeben und führt Menschen on- und offline zu ihrer wahren Essenz. 

Auf ihrem Instagram-Profil teilt sie Inspirationen rund um Yoga, intuitive Bewegung und die Entdeckung der eigenen Körperintelligenz: @marlene.eichhorn

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