Deine Hochsensibilität ist deine Superpower
von Susanne Nadler in Gesundheit

Du bist besonders sensibel und meistens macht dir das ziemlich zu schaffen? Hochsensible Menschen haben mit vielem und dauernd im Leben zu kämpfen. Aber wenn du Hochsensibilität als deine eigentliche Superkraft erkennst, wirst du merken, dass es auch eine große Gabe ist.

Wenn du jetzt weiterliest, bist du wahrscheinlich der Meinung, du bist ein hochsensibler Mensch und bist neugierig, wie du das auch als etwas Positives sehen kannst. Denn wenn man sich in den unzähligen Foren für HSP Betroffene ( HSP= high sensitive person) umsieht, wird schnell klar, dass diese, ich nenne es mal „Veranlagung“ von den meisten eher als eine Krankheit angesehen wird, denn als eine gute Sache.

Hier möchte ich dir einige Aspekte aufzeigen, warum Hochsensibilität auch ein wirklich großes Geschenk sein kann. Besonders für Menschen, die auch ihre spirituelle Seite leben möchten.

Übrigens, wenn du überprüfen willst, ob du hochsensibel bist, kannst du das hier in einem online-Test herausfinden. Wie alle online-Tests mag das aber wohl nur eine kleine Hilfestellung sein, die dir eine Idee gibt, ob du’s bist, oder nicht. 

Was bedeutet es eigentlich, hochsensibel zu sein?

Lass uns zunächst mal betrachten, was Hochsensibilität eigentlich ist. Es gibt vier Indikatoren, die darauf hindeuten, dass du dazu gehörst: Eine hohe Ansprechbarkeit für psychische und sensorische Reize, eine stärkere Verarbeitung von Informationen und die Verhaltenshemmung und schließlich der Verhaltensrückzug. Diese Menschen sind leichter reizüberflutet und benötigen mehr Phasen, in denen sie sich zurückziehen können, um diese Eindrücke zu verarbeiten. Das sagt Sandra Konrad, Diplom Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Hamburg.

Wer dünnhäutig ist, hat in unserer Gesellschaft einen schweren Stand, denn zum einen kämpfen diese Menschen täglich gegen die übergroße Befeuerung durch immer mehr Reizüberflutung. Zum anderen sind in Job und Freundschaften sensible Mimosen nicht die beliebtesten Helden.

Diesen Menschen macht allerdings viel mehr zu schaffen als Handyklingeln und Citylärm. Hochsensible grübeln viel, weinen häufig und können sich besonders gut in andere hineinversetzen. Sie sind besonders emotional und ziehen sich gerne zurück. Die meisten sensiblen oder hochsensiblen Menschen sind deshalb dauerhaft auf der Suche nach ihrer eigenen Identität, denn sie vergleichen sich ständig mit anderen und fühlen sich dabei meist minderwertig.

Dabei gibt es so viele gute Seiten an ihnen. Weiter unten zeige ich dir vier Besonderheiten, die Hochsensible als Superkraft haben. 

Woher kommt es, dass ich so sensibel bin?

Schätzungen zufolge sind 31% der Bevölkerung hochsensibel. Entwicklungsbiologen und -psychologen untersuchen seit geraumer Zeit das Zusammenspiel von Genen eines Individuums und den äußeren Bedingungen, unter denen der- oder diejenige aufwächst. Dabei haben mehrere Forschungsgruppen festgestellt, dass die Entwicklung hochsensibler Menschen sehr viel stärker von Umweltfaktoren (negativ und positiv) wie Erziehung, Familiensituation, soziales Umfeld etc. beeinflusst wird, als die Entwicklung normal-sensibler Menschen.

Wenn du dich für die Forschungsergebnisse und medizinischen Faktoren interessierst, dann kannst du hier tiefer eintauchen.

Wenn man selbst nicht betroffen ist, könnte man meinen, dass es sich um einen angesagten Lifestyle handelt, der gerade gut zu anderen aktuellen Trends wie Achtsamkeitsratgebern und Meditations-Workshops passt. Hier streitet sich die Wissenschaft noch gehörig, wo denn dieses HSP-Phänomen eigentlich herkommt. Fest steht nur, dass diese Menschen in manchen Hirnarealen eine stärkere Aktivität haben. Aber wieso das so ist kann man nicht erklären.

Aber sicher ist: Hochsensibilität ist keine Krankheit!  Deutschlands bekannteste HSP-Forscherin, Sandra Konrad nennt es einfach „ein besonderes Temperament“.

Das ist die gute Nachricht, denn wenn du also nicht krank bist, dann kannst du aus dieser Gabe doch eigentlich was Gutes machen.

Die guten Seiten der Hochsensibilität

Was bitte soll daran gut sein, fragst du dich jetzt vielleicht. Ich möchte dir hier Mut machen, dass du dein besonders zart besaitetes Temperament als deine Superkraft sehen kannst. Wenn du dich mit Yoga, Meditation und Achtsamkeit beschäftigst, wirst du wissen, dass dir diese Praktiken helfen, gelassener zu werden. ( Noch mehr handfeste Tipps, die dir im Alltag helfen, gelassener zu werden, findest du etwas weiter unten) 

Aber auch umgekehrt: Deine Hochsensibilität hilft dir auch, diese Praktiken viel besser zu erlernen und zu praktizieren:

Superkraft No.1: deine Beobachtungsgabe

Die Fähigkeit, viele Dinge besonders intensiv wahrnehmen zu können und zu verarbeiten, führt auf jedem beruflichen Gebiet zu weit überdurchschnittlicher Leistung. Nicht immer wird diese Leistung gewünscht und anerkannt. Wenn man aber das richtige Spielfeld dafür findet, dann kann sich dieses Talent extrem segensreich entfalten. Zum Beispiel sind das Berufe im ärztlichen Bereich, Coaches, Yoga- und Meditationslehrer, Tierärzte und Tierpsychologen. Und natürlich alle Berufe, die mit Natur zu tun haben. Auch kannst du deine überdurchschnittliche Beobachtungsgabe nutzen, um Verhaltensweisen von anderen zu durchschauen. Wenn du diese Gabe nutzt, wirst du klar wissen, wer dir etwas vormacht und wer versucht, andere zu manipulieren. Ziemlich segensreich, oder?

Superkraft No.2: deine Empathie

Fast alle hochsensiblen Menschen sind extrem empathisch. Natürlich ist diese Fähigkeit nicht nur gut, denn empathische Menschen neigen auch dazu, ihre eigenen Bedürfnisse hinter die von anderen zurückzustellen. Aber wer sich gut in andere hineinversetzen kann, kann die Menschen besser verstehen. Das ist ein großer Gewinn für alle Beziehungen. Wir alle sehnen uns nach tiefen, wahrhaftigen und lebendigen Beziehungen. Aber wie oft fühlen wir uns unverstanden, oder haben das Gefühl der*die andere interessiert sich nicht wirklich für mich? Wenn du einen hochsensiblen Partner hast, brauchst du dir dazu keine Sorgen mehr machen. Und wenn du selbst spürst, wie es deinem Gegenüber geht, kannst du der beste Freund*in sein, den man sich wünschen kann. Aber bitte vergiss darüber nicht deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Es ist auch wirklich wichtig, dass du dich abgrenzen kannst und nicht jedes Stirnrunzeln auf dich beziehst.

Superkraft No.3: dein Spüren

Auch wenn die intensiven Reize dir das Leben manchmal schwer machen, siehe es doch mal so: Niemand kann einen Waldspaziergang so tief spüren wie du. Niemand kann alle schönen Erlebnisse so auskosten, wie du. Und kaum jemand kann die Dinge so genau wahrnehmen und in Beziehung zueinander setzen, wie du. Wer das kann, hat Zugang zu einem riesigen Erkenntnis Feld, das dich in deiner spirituellen und persönlichen Entwicklung schnell voranschreiten lässt. Wenn du diese Fähigkeit mit Achtsamkeit verbindest, hast du eine Superkraft, die du auch wertvoll für dich selbst einsetzten kannst. Denn du wirst immer in jeder Minute spüren, wie es dir geht und was du jetzt als nächstes brauchst. Besonders in spirituellen Bereichen ist dein spüren besonders wertvoll. Deine Meditationen gehen tiefer als bei anderen, dein Körper ist durchlässiger für Informationen und dein Geist kann komplexe Zusammenhänger besser verstehen. Auch dein Yoga ist intensiver, als das die meisten anderen spüren. Sieh es also eifach als ein Geschenk an und versuche Praktiken zu erlernen, die dich vor störenden Einflüssen schützen, damit du besser im Alltag mit Lärm, Stress und Disharmonien leben kannst. Dafür mag ich dir hier unsere beruhigende Pranayama Atem-Meditation empfehlen. Diese kannst du täglich machen.

Superkraft No.4: deine Vorstellungskraft

Wer hochsensibel ist, hat eine besondere Vorstellungskraft. Das ist ein Segen, wenn du einen Beruf ergreifst, der mit Musik, Kunst oder Kultur zu tun hat. Du bist nicht nur besonders kreativ, du kannst dir auch eigene Visionen gut erarbeiten. Wenn du zusätzlich auch ins handeln kommst, sind dir fast keine Grenzen gesetzt. Jedes Ziel und jeder Erfolg hat am Anfang eine kraftvolle Vision. Besonders mit den richtigen Meditationen wird es dir gelingen, dein Leben zu dem zu machen, was du dir erträumst. Auch kannst du anderen Menschen damit helfen, innere Grenzen zu überwinden und sie damit zu höherem inspirieren. Natürlich gibt es noch weitere positive Aspekte deiner Sensibilität.

Und natürlich gibt es auch Herausforderungen, die du meistern musst, die andere Menschen nicht beeinträchtigen. Auch wenn du reizbarer, trauriger und zurückgezogener, als andere Menschen bist, so wisse, dass diese Hindernisse gut zu bearbeiten sind. Wenn du mit einer guten Yogapraxis, Meditation und achtsamer Selbstreflexion arbeitest, kannst du eine stabile Mitte finden und deine Superkräfte für dich und deine Mitmenschen segensreich verschenken.

Aber bitte, lieber Mensch, wenn deine Hochsensibilität schwer zu schaffen macht, dann suche dir eine gute, professionelle psychologische Hilfe, die dich bekräftigend unterstützt. Auch eine Selbsthilfegruppe kann dir helfen, denn der Austauch mit Gleichgesinnten ist sehr wertvoll und gibt dir das Gefühl, nicht alleine mit deinen Problemen zu sein.

Hier haben wir noch 6 Tipps, wie du im Alltag mit deiner Hochsensibilität  besser klar kommst: 

6 Tipps, wie du mit deiner Hochsensibilität besser klarkommst:

  1. Wenn du merkst, dass dir alles zuviel wird:
    Tief Luft holen und bewußt auf deinen Atem konzentrieren.
     
  2. So kannst du Geräusche besser aushalten:
    Besorge dir Noise-Cancelling-Kopfhörer. Sie helfen dir, den Großsstadtlärm oder die Geräusche auf der Arbeit deutlich besser auszublenden.
     
  3. Nimm dir Zeit für dein Innenleben und deine Selbsterforschung.
    Versuche aus der Gedankenspirale der Selbstkritik zu entkommen. Es ist wirklich hilfreich, wenn du deine alten Glaubenssätze über Bord wirfst. Aus "ich bin wirklich überempfindlich“, mache „meine Sensibilität ist meine Stärke“. Formuliere positiv, vermeide Verneinungen und wiederhole deine neuen Glaubenssätze oftmöglichst.
     
  4. Raus aus der Isolation.
    Wer sich zuviel zurückzieht, läuft Gefahr in eine Depression zu schliddern. Vielleicht ist es gut, wenn du dich regelmäßig wenigstens auf einen Kaffee oder ein kurzes Treffen mit Freunden verabredest - es muss ja nicht gleich ein ganzer Abend sein.
     
  5. Achtsamkeit üben.
    Achtsamkeit kann in potenziell überreizenden Momenten deine Rettungsinsel sein. Sie hilft dabei, die Situation bewusst wahrzunehmen und den Fokus auf das zu lenken, was ist. Und nicht darauf, was sein könnte.
     
  6. Klare Grenzen ziehen.
    Auch wenn es vielleicht viel Mutes bedarf. Sprich in deinem Freundes- und Familienkreis aus, wenn dir was zuviel wird und sage konkret, wie du dir den Umgang miteinander wünschst. Auch wenn es für andere machnmal nicht leicht ist mit HSP Menschen umzugehen - dir wird es auf jeden Fall helfen, wenn du deine Grenzen klarmachst.

Ich hoffe, ich konnte dich hier ein wenig ermutigen, dich selbst als das zu sehen, was du bist: Ein Wunder voller Superpower.

herzliche Grüße, 

Susanne

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Susanne Nadler

Susanne Nadler leitet seit November 2019 die YogaMeHome-Blogredaktion. Sie ist freiberufliche Redakteurin und Videoproduzentin. Nachdem sie 17 Jahre lang für verschiedene Fernsehsender tätig war, hat sie vor einigen Jahren den Massenmedien den Rücken gekehrt und kümmert sich seitdem lieber um die wahren, guten und schönen Themen. Zum Beispiel war Susanne vorher drei Jahre lang die Redaktionsleitung des Compassioners.com.

Sie liebt es, neue Visionen zu entdecken, komplexe Sachverhalte auf ein verständliches Maß zu komprimieren und gute, lebensbereichernde Impulse und Wahrheiten weiterzugeben. Deshalb sieht sie es als ihre Aufgabe an, zu verbinden, zu vermitteln und zu verbreiten. 

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