Wer war Thích Nhất Hạnh?
von Elena Patzer (Redaktion) in Menschen

Der spirituelle Lehrer, Freund des Dalai Lama und Martin Luther Kings und 100-fache Buchautor Thích Nhất Hạnh ist verstorben. Wir schauen zurück auf sein Leben, in dem er für Achtsamkeit, Frieden und Nächstenliebe einstand. Mit Zitaten, die ins Herz gehen.

Wer war Thích Nhất Hạnh?

Thích Nhất Hạnh war ein buddhistischer Mönch, spiritueller Lehrer und Friedensaktivist aus Vietnam. Er gilt als Begründer der modernen Achtsamkeitsbewegung und wurde international bekannt durch seine Lehren über Achtsamkeit, Ethik und Frieden.

Am 22. Januar 2022 verstarb er im Alter von 95 Jahren.

Vater der Achtsamkeit

Thích Nhất Hạnh ist als „Vater der Achtsamkeit“ bekannt, da seine Lehre den Grundstein für die moderne Achtsamkeitsbewegung gelegt hat. Viele der heute führenden Achtsamkeitslehrer:innen waren seine Schüler:innen.

In seinen Büchern machte er Achtsamkeit alltagsnah für Menschen auf der ganzen Welt zugänglich. Außerdem entwickelte er Heilmethoden, die in der klinischen Psychologie zur Behandlung von Depression, Angst und Stress eingesetzt werden.

„Die Buddha-Natur ist – vor allem anderen – Achtsamkeit. Die Übung der Achtsamkeit ist die Übung, den Buddha im gegenwärtigen Moment zum Leben zu erwecken. Sie ist der wahre Buddha.“

Friedensaktivist & Begründer des engagierten Buddhismus

Während des Vietnam-Kriegs mussten die Mönche und Nonnen sich entscheiden: Das Klosterleben weiterführen und meditieren – oder losgehen und den Menschen helfen? Thích Nhất Hạnh entschied sich für beides. Damit begründete er den „engagierten Buddhismus“, in dem die eigene Praxis eingesetzt wird, um positive Veränderungen für die Gesellschaft und den Einzelnen zu schaffen.

„Wer keinen Frieden in sich selbst gefunden hat, kann nicht zum Friedenswerkzeug werden.“

So kam sein erster Schritt auf die internationale Bühne: Thích Nhất Hạnh reiste 1966 in die USA, um sich für ein Ende des Vietnamkriegs einzusetzen. Dort wurden er und Martin Luther King Freunde und wollten fortan ihren Einsatz für Frieden in Vietnam und die Bürgerrechte in den USA verbinden. Später schlug Martin Luther King Thích Nhất Hạnh für den Friedensnobelpreis vor.

 „Wir sind uns einig, dass der wahre Feind des Menschen nicht der Mensch ist. (…) Unser wahrer Feind ist Wut, Hass und Diskriminierung, die in Herz und Geist der Menschheit sitzen. Wir müssen den wahren Feind identifizieren und gewaltfreie Wege finden, ihn zu beseitigen.“ (Über Martin Luther King)

Exil in Frankreich & Start des Plum Village

Der vietnamesische Staat sah seinen Widerstand gegen den Krieg nicht gern und verweigerte Thích Nhất Hạnh die Wiedereinreise ins Land. Fortan an lebte er die meiste Zeit in Frankreich.

Dort gründete er 1982 das erste „Plum Village“, ein buddhistisches Meditationszentrum. Es sollte das erste von vielen sein. Heute umfasst die „International Plum Village Community of Engaged Buddhism“ ein weltweites Netzwerk von dutzenden Meditationszentren, zehn Klöstern und über 1.000 Achtsamkeitsgruppen.

Auch in Deutschland: In Waldbröl bei Köln findest du das „Europäische Institut für Angewandten Buddhismus“ (EIAB), das auch aus dieser Gemeinschaft stammt.

Seine letzten Jahre

2016 entschied Thích Nhất Hạnh, zurück nach Vietnam zu ziehen, um dort seine letzten Jahre zu verbringen. Am 22. Januar 2022 verstarb er in demselben Kloster in Huế, in dem er vor 80 Jahren zum Mönch geweiht wurde.

Dieser Körper bin nicht ich, ich bin nicht an diesen Körper gebunden, ich bin Leben ohne Grenzen. (...) Lächle mir also zu, nimm meine Hand, und winke mir zum Abschied zu.

Was lehrte Thích Nhất Hạnh?

Er lehrte die Kraft von Achtsamkeit und wie wir Achtsamkeit zu jeden Moment im Alltag kultivieren können – nicht nur auf dem Meditationskissen. Jeder kleine Aspekt vom Zähneputzen bis zum Geschirrspülen wird zur Achtsamkeitsübung.

Das Ziel ist es, ein glückliches Leben zu führen. Dazu gibt er praktische Hilfen, wie man mit Wut, Trauer und Schicksalsschlägen umgehen oder wie man seine Beziehungen zu anderen und sich selbst verbessern kann.

 „Wir bemühen uns, Leid in Gutes zu verwandeln. Auch die Lotusblume braucht Schlamm, um zu gedeihen. Sie wächst nicht auf Marmor.“

Ganz zentral war für ihn: Achtsamkeit ist kein Mittel zum Zweck. Sondern muss immer in Verbindung damit stehen, wie wir mit uns selbst und der Welt interagieren. Dazu gehören achtsames Sprechen, Handeln, Arbeiten und Engagement für das Gute. Man kann nicht achtsam sein und sich unethisch verhalten.

Doku-Tipp: Walk with me

Es gibt eine wunderschöne Dokumentation über Thích Nhất Hạnh mit dem Namen „Walk with me“. Als der Film 2017 veröffentlicht wurde, war er in den Kinos in ganz Europa ausverkauft. Hier geht’s zum Trailer:

Seine bekanntesten Bücher

Thích Nhất Hạnh hat über 100 Bücher und Gedichtbände geschrieben, die in über 40 Sprachen übersetzt wurden. Also, wo anfangen? Eine Auswahl der bekanntesten Bücher findest du hier:

  • Das Wunder der Achtsamkeit (1975)
  • Ich pflanze ein Lächeln (1990)
  • Ärger (2002)
  • Einfach lieben (2016)

Sein jüngstes Buch „Zen und die Kunst, den Planeten zu retten erscheint am 26. April 2022.

Damit hinterlässt er uns einen letzten Appell:

"Wir wissen, dass viele Zivilisationen in der Vergangenheit verschwunden sind, und auch unsere Zivilisation kann verschwinden. Wir brauchen ein echtes Erwachen. Wir müssen unsere Art zu denken und zu sprechen ändern, und das ist möglich."

 

Titelbild: © Plum Village Community of Engaged Buddhism

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Elena Patzer (Redaktion)

Elena ist Texterin und Yogini mit ganzem Herzen. Meist trifft man sie in Indien oder Südost-Asien, wo sie das gute Leben genießt, Yoga übt und immer gerade in mindestens einem Kurs über Yoga, Heilung oder Kunsthandwerk steckt. Seit August 2020 leitet sie unseren Blog und unterstützt uns auch in anderen Text-Belangen.

Mehr von Elena lest Ihr hier: elenayoga.de/

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