Was Ernährung mit einem zerstreuten Geist zu tun hat
von Melanie (Redaktion) in Gesundheit und Praxis

Unser Geist kennt viele Zustände. Er kann träge sein oder nervös. Manchmal messerscharf und dann wieder stumpf. All das steht in Wechselwirkung mit deiner Ernährung. In diesem Artikel möchte ich dir aus Sicht der TCM die Zusammenhänge zwischen Ernährung und unserem Geist aufzeigen.

Das kennen wir alle: nach einem schweren Mittagessen geht erstmal gar nichts mehr. Wir sitzen am Schreibtisch (oder auf dem Meditationskissen) und sind träge. An wirkliche Konzentration ist nicht zu denken. Ernährung hat also ganz offensichtlich eine Wirkung! Nicht nur auf unseren Körper, sondern auch auf unseren Geist.

Ich bin Ernährungsberaterin nach traditionell chinesischer Medizin (TCM) und in der TCM ist das nicht nur bekannt, sondern wir arbeiten ganz gezielt damit. Im Ayurveda, dem indischen Medizinsystem, ist das natürlich genauso bekannt.

Das Verdauen von Gedanken und Emotionen

Die TCM bringt Konzentrationsfähigkeit generell mit einer guten Verdauung in Verbindung. Eine sogenannte „Starke Mitte“ (das Verdauungssystem in der TCM) sorgt für einen klaren Geist. Diese Mitte ist laut TCM nämlich nicht nur dazu da, unsere physische Nahrung zu verstoffwechseln. Nein, sie ist auch zuständig für das „Verdauen“ all unserer Gedanken, Emotionen, Eindrücke und Erlebnisse des Tages. Ein gutes Verdauungssystem sorgt also nicht nur für einen geregelten Stoffwechsel, sondern ist auch die Grundlage eines fokussierten Geistes.

Anzeichen für eine "schwache Mitte"

Umgekehrt erkennst du eine schwache Verdauungskraft unter anderem an Gedankenkreisen, vielen Sorgen und einer Neigung zum Grübeln. Auf der körperlichen Ebene erkennst Du eine schwache Mitte an klassischen Verdauungsproblemen wie Blähungen, Völlegefühl, Durchfall oder auch starkem Süßverlangen, Infektanfälligkeit oder ständigen Kältegefühlen. Wenn das bei dir zutrifft, solltest du deine Mitte stärken.

Das kannst du mit der Auswahl deiner Lebensmittel machen und auch mit der Art, wie Du sie zubereitest und dann einnimmst.

Zunder für ein schwaches Verdauungsfeuer

Basis für ein gesundes und starkes Verdauungsfeuer sind regelmäßige Mahlzeiten, die möglichst bewusst und entspannt eingenommen werden (keine Arbeit oder Ablenkung während des Essens). Am besten du beginnst damit gleich am Morgen mit einem warmen Frühstück. Nimm dir Zeit für dein Frühstück, diese 10 Minuten extra ist es allemal wert und dein Tag wird viel angenehmer beginnen. Hier gibt es ein leckeres Rezept für ein warmes "Yogi-Frühstück".

Darüber hinaus bevorzugen wir in der TCM bei einer geschwächten Verdauung einen hohen Anteil von bekömmlichen Mahlzeiten. Mit bekömmlich sind gegarte oder fermentierte Speisen gemeint. Also nicht roh und kalt, sondern sanft gekocht und warm. Kurzum: es geht darum Gerichte zu essen, bei denen dein der Körper nicht übermäßig viel Energie aufwenden muss, um sie zu verstoffwechseln. Kalte Gerichte, muss der Körper erst aufwärmen. Soweit die allgemeinen Tipps.

Wie eingangs erwähnt, kann unser Geist verschiedene Zustände annehmen, die uns von einer fokussierten Meditation abhalten. Ich möchte mich hier auf zwei wesentliche beschränken.

Das ist zum einen ein überdrehter, nervöser Geist, der dich mit Gedanken geradezu bombardiert. Auf der anderen Seite können wir auch einen trägen und stumpfen Geist erleben, der dich davon abhält, dein Yoga zu genießen.

Ernährung bei nervösem Geist

Viele von uns leiden in dieser immer schnelllebigeren Welt unter Nervosität, Unruhe und oft auch Ängsten. Das führt in der Meditation leider zu wahren Gedankenstürmen. Kommen zu diesen Unruhezuständen auch noch Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Hitzewallungen dazu, haben wir es mit Hitze im System zu tun. Die Lösung sind kühlende und beruhigende Lebensmittel.

Ein kleiner Ausflug an dieser Stelle:
In der TCM unterscheiden wir zwischen fünf thermischen Wirkungen, die Lebensmittel haben können. Das sind

  1. stark abkühlende,
  2. erfrischende,
  3. neutrale,
  4. wärmende
  5. stark erhitzende

Nahrungsmittel. Verzichte bei einem nervösen Geist auf alles, was dich zusätzlich erhitzt. Also scharfe Gewürze, wie Chili, Pfeffer, Tabasco, Curry, Knoblauch, Zwiebel oder auch Zimt, Nelken und Ingwer. Außerdem gehören Kaffee und Kakao nicht in deine Tasse. Stattdessen wirken neutrale und leicht erfrischende Lebensmittel, die kurz gegart (gedünstet, blanchiert, gekocht) wurden, beruhigend auf einen erhitzten Geist. Dazu gehören zum Beispiel Gemüse wie Zucchini, Melanzani (Aubergine), Spinat, Mangold und rote Beete. Als Tee solltest du dann zu Melisse, Passionsblume oder Kamille greifen.

Oh noch ein Tipp: Du magst Bier? Dann mach dir eine Flasche auf. Der Hopfen wirkt ebenfalls beruhigend. (Besser natürlich alkoholfrei, sonst wirds mit der Meditation aus anderen Gründen wieder nichts ;)

Ernährung bei trägem Geist

Was uns bei der Meditation aber auch stören kann ist, ich nenne es, „Nebel im Kopf“. Das ist so ein wattiges, unklares Gefühl, das unseren Geist an der notwendigen Konzentration hindert, die wir für Yoga brauchen. Auf der körperlichen Ebene geht das häufig mit Kältegefühlen (zB in Händen und Füßen oder gar am ganzen Körper) einher, mit breiigem Stuhlgang, und einem Unwillen sich zu bewegen. In diesem Fall brauchst Du Lebensmittel, die Bewegung und Wärme in dein System bringen.

Das sind zum Beispiel scharfe Gewürze wie Pfeffer, Curry und Ingwer. Auch lang gekochte Kraftbrühen, Geschmortes und Eintöpfe sind dann gut für dich. Dafür sollten wir bei trägem Geist auf alles verzichten, was den Organismus abkühlt. Dazu gehören zum Beispiel Milchprodukte, viel Rohkost, Brotmahlzeiten, Südfrüchte (wachsen in sehr heißen Ländern und sind von daher gemacht, um zu kühlen), Tiefkühlkost oder auch Mineralwasser.

Ernährung ist immer individuell

Die traditionell chinesische Medizin ist ein recht ausgeklügeltes System. In diesem Artikel konnte ich dir nur die absoluten Grundlagen erklären, wie du mit Ernährung deine Yoga-Praxis unterstützen kannst. Die meisten von uns sind aber Mischtypen. Wir sind nicht immer träge oder immer nervös. Aber vielleicht kannst du eine Tendenz bei dir feststellen. Dann probiere dich an diesen Ernährungstipps und schau, was sie mit dir machen. Wenn du tiefer in das Thema eintauchen möchtest und eine Ernährungsberatung wünscht, die genau auf dich abgestimmt ist, dann melde dich gerne bei mir. Ich biete für den Anfang mal ein kostenloses und absolut unverbindliches Erstgespräch an, welches 15 Minuten dauert.

Ich wünsche Euch allen eine angenehme und fokussierte Zeit auf der Matte oder dem Kissen,

Melanie

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Melanie (Redaktion)

Melanie Beran ist Mitarbeiterin der YogaMeHome-Redaktion und Ernährungsberaterin nach Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM). Wenn Du mehr über Ernährung nach TCM erfahren möchtest, schau mal auf ihrer Website vorbei: Seelenküche

 

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Kommentare

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Monika

Danke für die Anregungen und das tolle Frühstücksrezept!

Verfasst am 03.10.2020 um 22:17

Melanie

Sehr gerne! Ich freue mich, wenn es Dir schmeckt :)

Verfasst am 07.10.2020 um 09:42

Heidi

Sehr interessanter Beitrag, werde es umsetzen, vielen lieben Dank.

Verfasst am 08.10.2020 um 16:49

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