Yoga gegen Burnout: Wie du wieder in deine Kraft kommst
von Eva Weinmann in Gesundheit und Praxis

Besonders nach Zeiten von großer Herausforderung und Anstrengung sind Menschen von Burnout betroffen. Was genau dahinter steckt, was erste Anzeichen sind und wie du frühzeitig mit Yoga gegen Burnout gegensteuern kannst, erfährst du hier.

In den 1970ern wurde Burnout - das Gefühl, ausgebrannt zu sein - erstmals in den USA bei Pflegepersonal diagnostiziert. Das Gefühl von überwältigender Erschöpfung geht mit Gefühlen der Leere, der Gleichgültigkeit und der Hilflosigkeit einher.

Auf den ersten Blick ähnelt ein Burnout somit stark einer Depression. Es gibt aber große Unterschiede: Ein Burnout ist , anders als die Depression, verbunden mit vorherigen Zeiten großer Anstrengung und mit dem Gefühl, trotz vielem Arbeiten nichts oder wenig erreicht zu haben.

Wie kommt es zu einem Burnout?

Es gibt sowohl äußere Faktoren als auch innere Einstellungen, die einen Burnout begünstigen.

Auf der einen Seite sind es Aufgaben, die mit einer hohen Belastung über eine sehr lange, oftmals unabsehbare Zeit einhergehen. In meiner Arbeit mit Betroffenen begegne ich oft Menschen, die z. B. Angehörige über lange Zeit pflegen. Oder die beruflich in Bereichen arbeiten (z. B. im IT), wo sich Projekte zeitlich ins Uferlose ziehen, es nie die richtige Lösung gibt, aber permanent neue Schwierigkeiten und Probleme.

Auf der anderen Seite kann auch die innere Einstellung einen Burnout begünstigen. Vermutlich kennen wir alle Menschen, die davon ausgehen, dass ohne sie in der Firma gar nichts läuft und sie lieber alles selbst machen, bevor es nur mittelmäßig wird. Solche inneren Stressverstärker, bei denen der Mensch davon ausgeht, die Dinge perfekt machen zu müssen (und lieber stark zu sein, anstatt sich Hilfe zu holen), können uns in die Erschöpfung treiben.

Unser Nervensystem braucht Ausgleich

Unser Nervensystem ist darauf ausgelegt, ein inneres Gleichgewicht herzustellen. Dabei möchten wir letztendlich nicht ein dauerhaft entspanntes Nervensystem, sondern ein flexibles. Flexibel, so dass wir sowohl in die Kraft und die Anstrengung, als auch in die Entspannung gehen können.

Menschen, die über sehr lange Zeit größerer Belastung ausgesetzt sind, müssen somit unbedingt lernen, sich wieder mehr und wirklich erholsam zu entspannen.

Das klingt vielleicht erstmal sehr naheliegend. Doch in der Umsetzung ist es für viele Menschen eine große Herausforderung. So kommt es zur ersten Vorstufe zum Burnout.

Anzeichen: Die zwei Vorstufen zum Burnout

Wenn das Nervensystem in einer permanenten Übererregung ist, wird dies oft als Normalzustand betrachtet und noch mit in die Freizeit übertragen. In Folge laufen diese Menschen nach Feierabend noch einen Halbmarathon, konkurrieren mit Freunden um die höhere Punktzahl beim Tennismatch oder praktizieren gleich alle 6 Ashtanga Serien. Dieser Zustand hoher sympathischer Aktivität im Nervensystem ist nicht dauerhaft haltbar.

Irgendwann kommt es dann oftmals dazu, dass Betroffene bei der Arbeit noch immer in der Überspannung sind - nach Feierabend aber in die Unterspannung kippen. Dieser Zustand ist erreicht, wenn man sich halb apathisch zwischen Chips und Rotwein auf dem Sofa wiederfindet und nicht mehr so richtig weiß, die wievielte Folge von was eigentlich gerade läuft.

Der Burnout, das völlige Gefühl „ausgebrannt zu sein“ kann nun der nächste Schritt sein.

 

Mit Yoga gegen Burnout: Wie man aus diesem Zustand wieder herausfindet

Je nachdem, von welcher Richtung man kommt, kann der Zugang zur Entspannung ein unterschiedlicher sein. Wichtig ist, eine realistische Entspannung zu finden. Denn:

Konkrete Tipps bei Überspannung

Von dem in seiner Freizeit Halbmarathon laufenden Konkurrenztypen können wir nicht erwarten, dass er stattdessen direkt Yin Yoga praktiziert. Doch man kann schauen, ob es statt der ganz hohen Herausforderung etwas gibt, dass ein bisschen weniger aktiv ist, und das dann letztendlich mehr in die Entspannung führt.

Vielleicht ist es hier erstmal der lockere Lauf nach Feierabend, dann ein paar bewegte Asana-Sequenzen mit einer hohen Achtsamkeit (z. B. Sonnengrüße kombiniert mit ein paar Balance-Haltungen), bevor man sich regenerativen Asanas zuwenden kann. Hier eignen sich dann Haltungen, wo man gestützt ist und loslassen kann: z. B. ein gestütztes Viparita Karani (Beine an der Wand hochgelegt) oder die Kindeshaltung mit Unterstützung für den Kopf.

Doch nicht nur die äußere Form, auch die innere Haltung ist hier entscheidend: Erst neulich kam ein Burnout-Kandidat zu mir in die Einzelstunde mit dem Ziel „alle Asanas perfekt zu können“. Es ist also absolut essenziell, mehr ins Spüren zu kommen und die Haltungen quasi von innen her zu erleben, anstatt sich mit der äußeren Form in ein neues Wettbewerbs-Projekt zu stürzen.

Konkrete Tipps bei Unterspannung

Neigt man auf der anderen Seite jedoch dazu, eher in die Apathie nach Feierabend zu sinken, gilt es, diesen Zeitraum zu begrenzen. Vielleicht ist es dann nur die eine Folge einer Serie. Und danach geht es darum, eine bewusste Erholung in der oft zitierten Badewanne, bei einem guten Buch oder in der achtsamen Yogapraxis zu finden.

Hier eignet sich eine kurze und geführte Yin Yoga Praxis (z. B. Chill-Out Yin Yoga), gerne auch verbunden mit einer geführten Meditation. Mit der Zeit, wenn man den Weg aus der Erschöpfung mehr in die Entspannung gefunden hat, können auch bewegtere Asana-Sequenzen, die sich für Einsteiger eignen, passend sein.

Wenn man nun Entspannungsrituale in den Alltag einbauen möchte, so kann es hilfreich sein, mit angeleitetem Yoga Nidra oder anderen angeleiteten Entspannungstechniken zu beginnen. Mit der Zeit fällt es dann auch leichter, im Alltag selbst in die Entspannung zu finden: Sei es bei dem bewussten Genuss einer Tasse Kaffee in der Mittagspause oder dem Gefühl der Sonne auf der Haut nach Feierabend. Eine grundlegende Voraussetzung ist dabei die Achtsamkeit. Sie hilft, die eigenen Überforderungs- und Erschöpfungssignale frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Yoga-Videos zur Entspannung

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Am wichtigsten ist: mit kleinen Schritten vorangehen

Wenn man von diesem Ort des „ich kann nicht mehr“ und „es ist alles zu viel“ in eine Yogapraxis starten möchte, dann hat man schon allein für dieses Vorhaben ganz viel Anerkennung verdient!

Hier ist es notwendig, in ganz kleinen Schritten vorzugehen und dabei freundlich und mitfühlend mit sich selbst zu sein. Auch kann es hilfreich sein, sich Unterstützung zu holen, z. B. in Form von einer Freundin, mit der man gemeinsam übt.

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Buddha Kopf

Ein Wort an Teamleiter und Vorgesetzte

Burnout-Symptome treten besonders dann auf, wenn sich Mitarbeiter in der beruflichen Herausforderung allein gelassen fühlen. 

Ein Freund, der eine große Abteilung leitet, berichtete mir von etwas, das er den „Brezel-Moment“ nennt: Er bringt einmal in der Woche Brezeln für alle mit. Das lockere Zusammenstehen, Brezeln-Essen und Kaffeetrinken fördert ein Gefühl der Zugehörigkeit und kollegialen Unterstützung.

Als sein „Brezel-Moment“ aufgrund von Corona nicht mehr stattfinden konnte, zeigten viele seiner Mitarbeiter erste Anzeichen von Überforderung.

Yoga kann eine Burnout-Therapie nicht ersetzen - aber wirkungsvoll ergänzen

Dieser Blog-Beitrag ist ein erster, kleiner Ansatz für das Verständnis von und die Arbeit mit ersten Burnout-Symptomen. Er kann der Vielzahl möglicher Ansätze nicht gerecht werden. Auch kann Yoga die Diagnose und Behandlung durch einen Psychotherapeuten oder Arzt nicht ersetzen. 

Wenn man unter entsprechenden Symptomen leidet, ist es absolut notwendig, sich professionelle Hilfe zu holen. Auch um frühzeitig Unterstützung zu bekommen, bevor der Burnout in eine Depression münden kann. 

Doch Yoga kann mit seiner Vielzahl an Ansätzen auf unterschiedlichen Ebenen des Mensch-Seins extrem wirkungsvoll und eine hervorragende Ergänzung sein. 

Mehr Videos für Meditation & Entspannung

 

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Eva Weinmann

Eva Weinmann arbeitet als Dipl. Psychologin in einer Beratungsstelle für traumatisierte Frauen. Seit 2005 bildet sie sich in unterschiedlichen Yogatraditionen aus, seit 2013 betreibt sie die Yogaschule „Fuß über Kopf“ in Stuttgart. Sie gibt Workshops und Retreats zum Thema Resilienz und Selbstfürsorge und bildet Yogalehrer in traumsensiblem Yoga und in der Yogatherapie aus. 

Mehr Infos unter: www.fussueberkopf.de

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